nicht mehr unten bei den Leuten zubringen. Ich habe es der Mutter ſchon geſagt; iſt es nicht ſo recht, Victor?“
„Freilich,“ entgegnete dieſer,„es iſt bei dem Tiſche Deines Vaters ſo langweilig, wenn zwiſchen den Speiſen ſo viele Zeit vergeht und er dabei ſo viele Lehren gibt. Aber morgen, Ferdinand, iſt es nicht anders, ich muß mit Tagesanbruch fort.“
„Du kannſt, ſobald Du willſt,“ antwortete Ferdinand,„Du weißt, daß der Hausſchlüſſel innen in der Thorniſche liegt.“
Während dieſes Geſpräches begannen ſie ſich zu entkleiden und ſich der läſtigen, ſtaubigen Stiefel zu entledigen. Ein Stück der Kleider ward hierhin, das andere dorthin gelegt. Ein Diener brachte Lichter, und eine Magd ein Speiſebrett mit reichlicher Nahrung verſehen. Sie aßen ſchnell und ohne Auswahl. Dann ſchauten ſie bald bei dem einen, bald bei dem andern Fenſter hinaus, gingen in dem Zimmer herum, beſahen die Geſchenke, die Ferdinand erſt geſtern bekommen hatte, zähl⸗ ten die rothen Abendwolken, kleideten ſich vollends aus und legten ſich auf ihre Betten. In denſelben redeten ſie noch fort; aber ehe einige Minuten vergingen, war keiner mehr mächtig weder zu reden noch zu denken; denn ſie lagen Beide in tiefem Schlafe.
Das Nämliche mochte auch mit den Andern ſein, welchen dieſelbe Luſt mit ihnen heute zu Theil geworden war.——
Während die Jünglinge dieſen Tag ſo gefeiert hatten, war auf einer anderen Stelle etwas anderes geweſen: Ein Greis hatte den Tag damit zugebracht, daß er im Sonnenſcheine auf der Bank vor ſeinem Hauſe geſeſſen war. Weit von dem grünen Baumplatze, wo die Nach⸗ tigallen geſchlagen und die Jünglinge ſo fröhlich gelacht hatten, lag hin⸗ ter den glänzenden blauen Bergen, die die Ausſicht des Platzes beſäum⸗ ten, eine Inſel mit dem Hauſe. Der Greis ſaß an dem Hauſe und zit⸗ terte vor dem Sterben. Man hätte ihn vorher ſchon viele Jahre können ſitzen ſehen, wenn er überhaupt gerne Augen zugelaſſen hätte, ihn zu ſehen. Weil er kein Weib gehabt hatte, ſaß an dem Tage keine alte Ge⸗ fährtin neben ihm auf der Bank, ſo wie an allen Orten, wo er vor der Erwerbung des Inſelhauſes geweſen ſein mag, nie eine Gattin bei ihm war. Er hatie nie Kinder gehabt und nie eine Qual oder Freude an Kindern erlebt, es trat daher keines in den Schatten, den er von der Bank auf den Sand warf. In dem Hauſe war es ſehr ſchweigſam, und
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