Bei dem Wirthe mietheten ſie einen offenen Wagen, um nun jenſeits des Stromes in die Stadt zurück zu fahren. Sie flogen an Auen, Ge⸗ büſchen, Feldern, Anlagen, Gärten und Häuſern vorbei, bis ſie die erſten Gebäude der Vorſtädte erreichten und abſtiegen. Als ſie ankamen, lag die Sonne, die ſie heute ſo freundlich den ganzen Tag begleitet hatte, weit draußen am Himmel als glühende erlöſchende Kugel. Da ſie un⸗ tergeſunken war, ſahen die Freunde die Berge, auf welchen ſie heute ihre Morgenfreuden genoſſen hatten, als einfaches blaues Band gegen den gelben Abendhimmel empor ſtehen.
Sie gingen nun gegen die Stadt und deren ſtaubige bereits däm⸗ mernde Gaſſen. An einem beſtimmten Platze trennten ſie ſich, und rie⸗ fen einander fröhlichen Abſchied zu.
„Lebe wohl,“ ſagte der Eine.
„Lebe wohl,“ antwortete der Andere.
„Gute Nacht, grüße mir Roſina.“
„Gute Nacht, grüße morgen den Auguſt und Theobald.“
„Und Du den Karl und Lothar.“
Es kamen noch mehrere Namen; denn die Jugend hat viele
Freunde, und es werben ſich täglich neue an. Sie gingen auseinander. Zwei derſelben ſchlugen den nämlichen Weg ein, und es ſagte der Eine zu dem Andern:„Nun, Vickot, kannſt Du die Nacht bei mir bleiben, und morgen gehſt Du hinaus, ſobald Du nur willſt. Iſt es auch wirk⸗
lich wahr, daß Du gar nicht heirathen willſt?“
„Ich muß Dir nur ſagen,“ antwortete der Angeredete,„daß ich wirklich ganz und gar nicht heirathen werde, und daß ich ſehr unglück⸗ lich bin.“
Aber die Augen waren ſo klar, da er dieſes ſagte, und die Lippen ſo friſch, da der Hauch der Worte über ſie ging.
Die zwei Freunde ſchritten noch eine Strecke in der Gaſſe entlang, dann traten ſie in ein wohlbekanntes Haus und gingen über zwei Trep⸗ pen hinauf an Zimmern vorbei, die mit Menſchen und Lichtern angefüllt waren. Sie gelangten in eine einſame Stube.*
„So, Victor,“ ſagte der Eine,„da habe ich Dir neben dem meinen ein Bett herrichten laſſen, daß Du eine gute Nacht haſt, die Schweſter Roſina wird uns Speiſen herauf ſchicken, wir bleiben hier und ſind
fröhlich. Das war ein himmliſcher Tag, und ich mag ſein Ende gar


