Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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ihm kam, traf ich auf ein Schauſpiel, ſo gräßlich und ſo herrlich, daß noch jetzt meine Seele ſchaudert und jauchzt: an der Stelle, wo der Gal⸗ gen ſteht, und der Binſenbach ſchillert, hatte der Major den Knaben Guſtav gefunden, der ſich nur noch matt gegen ein Rudel Wölfe wehrte. Zwei hatte er erſchoſſen, einen, der vorne an ſein Pferd geſprungen war, wehrte er mit ſeinem Eiſen, die andern bannte er für den Augenblick mit der Wuth ſeiner vor Angſt und Wildheit leuchtenden Augen, die er auf ſie bohrte; aber harrend und lechzend umſtanden ſie ihn, daß eine Wen⸗ dung, ein Augenzucken, ein Nichts Grund werden könne, mit eins auf ihn zu fallen da, im Augenblicke der höchſten Noth, erſchien der Ma⸗ jor. Als ich ankam, war er ſchon wie ein verderblich Wunder, wie ein Meteor, mitten unter ihnen der Mann war faſt entſetzlich anzuſchauen, ohne Rückſicht auf ſich, faſt ſelber wie ein Raubthier warf er ſich ihnen entgegen. Wie er von dem Pferde gekommen war, hatte ich nicht ge⸗ ſehen, da ich ſpäter ankam; den Knall ſeiner Doppelpiſtole hatte ich ge⸗ hört, und wie ich auf dem Schauplatze erſchien, glänzte ſein Hirſchfänger gegen die Wölfe, und er war zu Fuß. Drei vier Sekunden mochte es gedauert haben, ich hatte blos Zeit, mein Jagdgewehr unter ſie abzu⸗ drücken, und die unheimlichen Thiere waren in den Rebel zerſtoben, als wären ſie von ihm eingetrunken worden.

Ladet, ſchrie der Major,ſie werden gleich wieder hier ſein.

Er hatte die weggeſchleuderten Piſtolen aufgerafft, und ſtieß die Patronen hinein. Wir luden auch, und in dem Augenblicke, da wir ein wenig ſtill waren, vernahmen wir den unheimlichen Trab um die Gal⸗ geneiche hetum. Es war klar, die hungrigen geängſteten Thiere umkreis⸗ ten uns, bis ihnen wieder etwa der Muth zum Angriffe gewachſen ſein würde Eigentlich ſind dieſe Thiere, wenn ſie nicht von dem Hunger ge⸗ ſpornt werden, feig. Wir waren zu einer Wolfsjagd nicht gerüſtet, der unſelige Rebel lag dicht vor unſern Augen, daher ſchlugen wir den Weg zu dem Schloſſe ein. Die Pferde ſchoſſen in Todesangſt dahin, und da wir ſo ritten, ſah ich es mehr als einmal wie einen jagenden Schatten neben mir, grau im grauen Nebel. In unſäglicher Geduld eilte die Heerde neben uns. Wir mußten in ſteter Bereitſchaft ſein. Von dem Major fiel einmal links ein Schuß, aber wir erkannten nichts, zum Re⸗ den war keine Zeit, und ſo langten wir an dem Parkgitter an, und wie wir hinein drangen, brachen die edlen, ſchönen, dahinter hartenden Dog⸗