Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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rathe, wie er ſie nicht leiden konnte. Die Schönheit dieſer Gabriele war ſchon weithin berühmt geworden, nur zu Murais Ohren war der Ruf noch nicht gedrungen, weil er bisher nie auf dieſem ſeinem Landgute geweſen war, und in letzter Zeit ſich auf ſeiner großen Reiſe befunden hatte.

Nach mehreren Tagen trafen die Beiden ſchier auf derſelben Stelle wieder zuſammen, und dann öſter und öfter. Sie fragten nicht, wer und woher ſie ſeien, ſondern das Mädchen, gleichſam ein Abgrund von Un⸗ befangenheit, ſcherzte, lachte, neckte ihn, und trieb ihn meiſtens zu küh⸗ nen übermüthigen Wettreiten an, wo ſie, wie ein himmliſches tolles, glühendes Räthſel neben ihm her flog. Er ſcherzte mit, und ließ ſie mei⸗ ſtens ſiegen. Eines Tages aber, als ſie vor Erſchöpfung athemlos, nur durch wiederholtes Haſchen nach ſeinem Zügel andeuten konnte, daß ſie wolle, daß er halten ſolle, und als ſie beim Herabheben vom Pferde ſchmachtend geflüſtert hatte, ſie ſei beſiegt damals, nachdem er ihren Steigbügelriemen, an dem etwas gebrochen war, wieder hergeſtellt hatte, und ſie nun verglühend an einem Baumſtamme ſtehen ſah riß er ſie plötzlich an ſich, preßte ſie an ſein Herz, und ehe er ſehen konnte, ob ſie zürne oder frohlocke, ſprang er auf ſein Pferd und jagte davvn. Es war Uebermuth geweſen, aber ein Taumel unbeſchreiblichen Entzückens war in jenem Augenblicke in ihm, und vor ſeiner Seele, wie er heim ritt, hing das Bild der ſanften Wange, des ſüßen Athems, und der ſpiegelnden Augen. Sie hatten ſich von da an nicht mehr geſucht, aber da ſie ſich einmal zufällig auf einen Augenblick in dem Saale eines Nachbars ſahen, wur⸗ den beider Wangen von einem tiefen Scharlache übergoſſen.

Murai ging dann auf eine ſeiner ferneren Beſitzungen, und änderte dort alle Verhältniſſe um, die er vorfand.

Brigitta's Herz aber war zu Ende. Es war ein Weltball von Scham in ihrem Buſen empor gewachſen, wie ſie ſo ſchwieg, und wie eine ſchattende Wolke in den Räumen des Hauſes herum ging. Aber endlich nahm ſie das aufgequollne ſchreiende Herz gleichſam in ihre Hand, und zerdrückte es.

Als er von ſeinen Umänderungen auf dem entfernten Landgute zu⸗ rück kam, ging ſie in ſein Zimmer, und trug ihm mit ſanften Worten die Scheidung an. Da er heftig erſchrak, da er ſie bat, da er ihr Vorſtellun⸗ gen machte, ſie aber immer dieſelben Worte ſagte:Ich habe es Dir ge⸗