Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

355

Vor einigen Jahren kam er, machte ſich in Uwar anſäſſig und ſchloß ſich dem Bunde der Landwirthſchaftsfreunde an. Damals waren nur erſt zwei Glieder des Bundes: er, Gömör, ſelber, und Brigitta Maroshely. Eigentlich war es kein Bund; denn die Zuſammenkünfte und die Geſetze kamen erſt ſpäter auf, ſondern die zwei Nachbarn, er und Brigitta, ha⸗ ben einſtimmig die beſſere Bewirthſchaftung ihrer Güter in dieſer öden Gegend begonnen. Im Grunde ſei es Brigitta geweſen, welche den Anfang gemacht habe Weil ſie eher unſchön als angenehm zu nennen ſei, ſo habe ſie ihr Gatte, ein junger leichtſinniger Menſch, dem ſie in ihren jüngeren Jahren angetraut worden war, verlaſſen, und ſei nicht wieder gekommen. Damals erſchien ſie mit ihrem Kinde auf ihrem Sitze Maroshely, habe wie ein Mann umzuändern und zu wirthſchaften be⸗ gonnen, und ſei bis jetzt noch gekleidet und reite, wie ein Mann. Sie halte ihre Dienerſchaft zuſammen, ſei thätig, und wirthſchafte vom Mor⸗ gen bis in die Nacht. Man könne hier ſehen, was unausgeſetzte Arbeit vermöge; denn ſie habe auf dem Steinfelde faſt Wunder gewirkt. Er ſei, als er ſie kennen gelernt habe, ihr Nachahmer geworden, und habe ihre Art und Weiſe auf ſeiner Beſitzung eingeführt. Bis jetzt habe er es nicht bereut. Der Major ſei Anfangs, da er ſich in Uwar niedergelaſſen hatte, mehrere Jahre nicht zu ihr hinüber gekommen. Dann ſei ſie ein⸗ mal todtkrank geworden: da ſei er zu ihr über die Haide geritten, und habe ſie geſund gemacht. Von der Zeit an kam er dann immer zu ihr. Die Leute ſagten damals, er habe die Heilkräfte des Magnetismus ange⸗ wendet, deren er theilhaftig ſei, aber Niemand weiß eigentlich in der Sache etwas Rechtes zu ſagen. Es hat ſich ein ungewöhnlich inniges und freundſchaftliches Band entwickelt der höchſten Freundſchaft ſei das Weib auch würdig aber ob die Leidenſchaft, die der Major zu der häßlichen und bereits auch alternden Brigitta gefaßt habe, natürlich ſei, das ſei eine andere Frage und Leidenſchaſt ſei es ganz gewiß, das er⸗ kenne ein jeder, der hinüber komme. Der Major würde gewiß Brigitta heirathen, wenn er könnte er gräme ſich offenbar tief, daß er es nicht könne; aber weil man von ihrem angetrauten Manne nichts wiſſe, ſo könne kein Todtenſchein und kein Trennungsſchein herbei gebracht wer⸗ den. Es ſpreche dieſe Thatſache recht ſehr zu Gunſten Brigitta's, und verurtheilte ihren Gemahl, der einſt ſo leichtſinnig von ihr gegangen ſei, während nun ein ſo ernſter Mann ſich ſehne, ſie zu beſitzen. 23*