Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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noch kaum angekleidet war, klopfte es an meine Thür, ich öffnete und es trat mein Reiſefteund herein. Ich war immer die Tage her begierig ge⸗ weſen, wie er ausſehen möge, und er ſah nicht anders aus, als er eben ausſehen konnte, nämlich ſo zu der ganzen Umgebung ſtimmend, daß es ſchien, ich hätte ihn immer ſo geſehen. Auf der Oberlippe hatte er den gebräuchlichen Bart, der die Augen noch funkelnder machte, das Haupt deckte ein breiter runder Hut und von den Lenden fiel das weite weiße Beinkleid hinab. Es war ganz natürlich, daß er ſo ſein mußte, ich konnte plötzlich nicht mehr denken, wie ihm der Frack ſtehe, ſeine Tracht ſchien mir reizend, daß mir mein deutſcher Fl S der beſtaubt und herabge⸗ ſchunden auf einer Bank unter dem verſchoſſenen Seidenkleide eines Tar⸗ taren lag, faſt erbärmlich vorkam. Sein Rock war kürzer, als ſie ge⸗ wöhnlich in Deutſchland ſind, ſtand aber ſehr gut zu dem Ganzen. Mein Freund ſchien zwar gealtert; denn ſeine Haare miſchten ſich mit Grau, und ſein Antlitz war voll von jenen feinen und kurzen Linien, die bei wohlgebildeten Menſchen, die ſich lange erhalten, doch endlich die wach⸗ ſende Zahl der Jahre anzeigen; aber er erſchien mir ſo angenehm und einnehmend, wie immer.

Er grüßte mich ſehr freundlich, ſehr herzlich, ja faſt innig— und als wir eine halbe Stunde geplaudert hatten, waren wir ſchon wieder ſo bekannt, wie zuvor. Es ſchien, als hätten wir uns ſeit unſerer italieni⸗ gar nicht getrennt. Da ich mich ankleidete und dazu bemerkte,

daß ein Koffer mit meinen andern Sachen ankommen werde, ſchlug er vor, ich möchte bis dahin, oder wenn ich wollte, in der Zeit meines gan⸗ zen Hierſeins ungariſche Kleider anziehen. Ich ging in die Sache ein und die nöthigen Beſtandſtücke waren bald herbeigeſchafft, wobei er bemerkte, daß er in den nächſten Tagen ſchon für Abwechslung ſorgen werde. Wie wir nun ſo in den Hof hinunter kamen zu den mit uns gleich gekleideten Knechten, und wie dieſe aus den finſtern Schnurbärten und den buſchigen Augenbraunen ſo beifällig auf uns blickten, und uns die Pferde zu einem Morgenritte zuführten, war etwas ſo Edles und Beruhigendes in dem Schauſpiele, daß ich mich innerlichſt recht davon erquickt fühlte.

Wir ritten von der großen ſanften Dogge begleitet in den Beſitzun⸗ gen des Majors herum. Er zeigte mir alles und gab gelegentlich Befehle und Lobſprüche. Der Park, durch den wir zuerſt ritten, war eine freund⸗ liche Wildniß, ſehr gut gehegt, rein gehalten, und von Wegen durch⸗