die Gnade, daß ich weiſer und ſtärker bin, als ich vordem thöricht und ſchwach geweſen.
Eingeſchrieben zu Thal ob Pirling am Medarditage, das iſt, am achten des Brachmonats Anno 1739.
Morgen der Obriſt.
Der ſanſtmüthige Ohriſt.
Ich ſaß nämlich vor drei Tagen bei meinem Weibe, das noch jung und unvermählt iſt, und redete viele Stunden zu ihrem Sinne, daß ſie ihn ändere. Als ich ſie nicht abzubringen vermochte, lief ich in den Wald, an welcher Stelle eine Birke ſteht, und wollte mich daran erhän⸗ gen. Ich werde es ſpäter ſchreiben, wie ich ſo übermüthig mein Heil an das Weib gebunden habe, daß ich meinte, ohne ihr nicht ſein zu können, aber ſie ſollte es nur ſchen, daß ich alles zerreiße und daß ich ſie ſtrafe, das falſche, wankelmüthige Herz:— vorher aber muß ich nur das von dem Obriſt eintragen. Ich lief von ihr in mein Haus, riß ein buntes Tuch von dem Tiſche, lief durch den Garten, ſprang über den Zaun, und ſchnitt dann den Weg ab, indem ich über Allerbs Hofmark und durch die Wieſen der Beringer ging. Dann traf ich auf den Fußſteig, der an den Mitterwegfeldern geht— dort eilte ich eine Weile fort. Ich hatte aus dem Tuche eine Schlinge gemacht, und trug es in dem Buſen verſteckt. Dann beugte ich wieder links von dem Wege ab, ſtrebte unter den dünnen Stämmen des ausgebrannten Waldes der Dürrſchnäbel hin⸗ auf, drang durch den Saum des Kirmwaldes, ſtreifte an dem Stangen⸗ holze, an den Tannenbüſchen, an den Felsblöcken vorbei und ſprang auf den Platz hinaus, wo die vielen Birken ſtehen und der grüne Raſen da⸗ hingeht.—— Als ich nun da war, harrte ich gleichwohl noch ein wenig, und alle Bäume ſahen mich fragend an. Es war auch ein breiter grauer Fels da, der nicht weit davon viele Klaftern hoch emporſtand, und von dem die Sonnenſtrahlen ohne Geräuſch wegprallten, daß alle Steinchen


