hatte, ſo wird es auch der Enkel thun, nur mit dem traurig ſüßen Ge⸗ fühle, mit dem man jede vergehende Zeit anſieht, wird er noch die An⸗ denken eine Weile behalten und beſchauen.
Dieſe Dinge empfindend erſchien es mir nicht zwecklos, den Spruch des Egeſippus an die Spitze eines Gedenkbuches zu ſtellen, das von
meinem Urgroßvater und ſeiner Mappe handelt.
Ich will die Erzählung von ihm beginnen.
Mein Urgroßvater iſt ein weitberühmter Doctor und Heilkünſtler geweſen, ſonſt auch ein gar eulenſpiegliger Herr, und wie ſie ſagen, in manchen Dingen ein Ketzer. Das alles iſt er auf der hohen Schule zu Prag geworden, von wo er aber, da er kaum den neuen Doctorhut auf hatte, ſeinem eigenen Ausdrucke nach wie ein geſchnellter Pfeil fort⸗ ſchießen mußte, um ſein Heil in der Welt zu ſuchen. Die Urſache, warum er ſo ſchnell fort gemußt hatte, hat er, der Erzählung meines Großvaters zu Folge, nie dazu geſetzt. Welche ſie auch geweſen iſt, ſo hat ſie ihn doch zu jener Zeit in die ſchöne Waldeinſamkeit ſeiner Heimat geführt, wo er ſofort viele Meilen in der Runde kurirte. Vor wenigen Jahren erzählte von ihm noch manche verhallende Stimme des Thales, ja in meiner Knabenzeit kannte ich noch manchen verſpäteten Greis, der ihn noch gekannt, und mit ſeinen zwei großen Rappen herum fahren geſehen hatte.
Als er uralt und wohlhabend geworden war, ging er endlich auch den Weg von manchem ſeiner einſtigen Pflegebefohlenen, und hinterließ meinem Großvater Erſparniſſe und Hausrath. Das Erſparte iſt zuerſt fortgekommen, und zwar im Preußenkriege; der Hausrath aber iſt noch ſtehen geblieben. Von der Art und Weiſe des Doctors, die ſehr ab⸗ weichend von der der andern geweſen ſein ſoll, haben ſich nach ſeinem Tode noch lange die Bruchſtücke im Munde der Leute erhalten; aber die Bruchſtücke ſchmolzen wie Eisſchollen, die im Strome hinab ſchwimmen, zu immer kleineren Stücken, bis endlich der Strom der Ueberlieferungen allein ging, und der Name des Geſchiedenen nicht mehr in ihm war. Die Geräthe und Denkmale ſind auch immer verkommener und trüber geworden. Von dieſen Denkmalen möchte ich ſprechen, da ſie einſt meine ſchauerliche innere Freude waren.
Aber ſeltſam, wenn ich recht weit zurück gehe, ſo iſt es eigentlich Trödel, der gar ſo tief wirkte, nicht Dinge, denen ich heute mein Augen⸗
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