Teil eines Werkes 
2. Band (1855)
Entstehung
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Die Alterthümer.

it dem an der Spitze dieſes Buches ſtehenden lateiniſchen Spruche des ſeligen, nunmehr längſt vergeſſenen Egeſippus führe ich die Leſer in das Buch und mit dem Buche in mein altes fern von hier ſtehendes Va⸗ terhaus ein. Der Spruch ſpielte einmal eine Rolle in einer meiner Aus⸗ zeichnungen in der Schule, und ſchon deßhalb hatte ich ihn mir für alle meine Zukunft gemerkt; allein er fiel mir nachher immer wieder ein, wenn ich ſo in den Räumen meines Vaterhauſes herum ging; denn das Haus ſtak voll von verſchiedenen Dingen unſerer Vorfahren, und ich empfand wirklich, in den Dingen herum gehend, die ſeltſamliche Freude und das Vergnügen, von denen Egeſippus in ſeinem Spruche ſagt. Dieſes Vergnügen haftete aber nicht etwa blos in dem Geiſte des Kindes, ſondern es wuchs mit mir auf, der ich noch immer alte Sachen gerne um mich habe und liebe. Ja ich denke oft jetzt ſchon, da ich ſelber alt zu werden beginne, mit einer Gattung Vorfreude auf jene Zeit hinab, in der mein Enkel oder Urenkel unter meinen Spuren herum gehen wird, die ich jetzt mit ſo vieler Liebe gründe, als müßten ſie für die Ewigkeit dauern, und die dann doch, wenn ſie an den Enkel gerathen ſind, erſtor⸗ ben und aus der Zeit gekommen ſein werden. Das haſtige Bauen des Greiſes, die Störrigkeit auf ſeine Satzungen zu halten, und die Gierde auf den Nachruhm zu lauſchen ſind doch nur der dunkle ermattende Trieb des alten Herzens, das ſo ſüße Leben noch über das Grab hinaus zu verlängern. Aber er verlängert es nicht; denn ſo wie er die ausge⸗ bleichten geſchmackloſen Dinge ſeiner Vorgänger belächelt und geändert

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