— 3
—
war kein Bewußtſein darinnen, und ſie ließ die Wimpern gleich wieder
ſchlaftrunken darüber ſinken.“
„Ghelion,“ ſagte ich ſanft.“
„Der Ton iſt dem Herzen näher, als das Bild— ſie fuhr empor: „Jodok, biſt du's?“
„Ich bin's, Chelion,“ ſagte ich; ſie aber wandte ſich ab und ver⸗ grub ihr Haupt in die Kiſſen.“
„Mein Weib, mein Kind,“ ſagte ich noch einmal ſanft; ſie aber kehrte ſich gegen mich, ſah mich verzagt an, und ſagte:„Jodok, du willſt mich tödten.“
„Ich dich tödten, Chelion?“
„Ja, du biſt ſo furchtbar.“
„Rein, nein, ich will nicht furchtbar ſein,“ rief ich—„ſiehe, ſage mir nur du, Chelion, daß du unſchuldig biſt— ich will dir glauben und wieder glücklich ſein; denn du haſt ja nie gelogen,—— du ſchweigſt? —— Chelion, ſo ſag' es doch.“
„Nein, Jodok, ich bin nicht unſchuldig,“ ſagte ſie furchtſam,„wie du es meinſt, bin ich nicht unſchuldig—— aber ich liebe doch nur dich, nur dich allein——— ach, ihr Götter in den Wolken meines Landes, ich liebe ja nur ihn allein!“
„Und ſie brach in ein Schluchzen aus, als wollte ſie ihre ganze Seele herausweinen. Dann aber, als ſich dieſes milderte, ſagte ſie: „Siehe, er iſt ſpät Abends herein gekommen, ich weiß nicht wie— er war nie hier, aber ich hielt es nicht für Sünde, und da ſagte er, er wolle Abſchied nehmen, er werde mich nun nie mehr ſehen, und dich auch nicht mehr— und er liebe uns Beide doch ſo unausſprechlich—— und ſein
Angeſicht war ſo unglücklich, daß es mich im Herzen dauerte, und ich ihn
recht heiß liebte; denn er iſt ja dein armer vertriebener Bruder.— Ich ſtreichelte ihm die Locken aus der Stirne— er weinte, wie ein Kind, wollte aufſtehen— denn er war bisher auf dem Teppiche gekniet— er wollte gehen—— er weinte nicht mehr, aber ſeine Lippen zitterten noch vor Schmerz— er kam mir vor Augen, als wäre er noch ein Kuabe, der keine Mutter habe— ich hielt noch einmal meine Hand auf ſeine Locken, wie er ſich gegen mich neigte, und ſeinen Mund reichte, küßte ich ihn— er hielt meine Hand— und wir küßten uns wieder.—— Ach, Jodok, dann küßte ich ihn— nicht mehr, wie deinen Bruder— es wehte ſo


