Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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weiß ich nicht, wenn es nicht eines jener Familienwunder iſt, die ſich zu⸗ weilen ereignen, daß nämlich in einem Gliede plötzlich wieder dieſelbe Bildung hervorſpringt, die ſchon einmal da geweſen, um dann wieder in vielleicht ewige Unterbrechung auseinanderzulaufen— oder wenn es nicht ein Fingerzeig des Himmels iſt, daß noch ein entfernter Sprößling dieſes Geſchlechtes lebe, auf den man ſonſt nie gekommen wäre.“

Robert ſchüttelte bei dieſen letzten Worten ſeines Freundes faſt traurig den Kopf und ſagte:„Das iſt ja eine erſtaunliche, überaus merk⸗ würdige Geſchichte, die Du da ſo erzählſt, als wäre ſie vollkommen ein⸗ leuchtend— ich erſtaune faſt vor den Folgen— ich weiß es noch gar nicht, wie ſehr ich mich darüber freuen werde— aber vorerſt bin ich noch beinahe betrübt darüber; denn ſiehe, Heinrich, Deine Erinnerungen zäh⸗ len vor Gericht nicht, der Name iſt Dir dunkel, die Erkennung des Ka⸗ ſtellans folgte bloß aus Deiner Aehnlichkeit mit jenem Bilde, die ſelber zufällig iſt— ich ſehe einer endloſen Sache entgegen.— Wird man nicht ſagen, Du ſelber habeſt das Bild malen und dort verſtecken laſſen, da die Aehnlichkeit zu lächerlich iſt? oder was beweiſt ſie am Ende? Sage, haſt Du außer den Dingen, die Du mir erzählteſt, weiter nichts, nicht irgend eine kleinſte Kleinigkeit, woraus Hoffnung entſtände, daß man würde einen Beweis herſtellen können?“

„Ich weiß in der That ſonſt nichts,“ entgegnete Heinrich,„als daß jener alte Mann Julius Graf Scharnaſt geheißen, d. h. ich meine, daß er ſo geheißen, aber ich habe meiner Mutter geſchrieben, ob er ſo gehei⸗ ßen, und ob nicht Schriften von ihm übrig wären. Ich bin nur darum nicht gleich ſelbſt nach Hauſe gereiſet, damit ich noch eher dieſes Schloß beſuchen, und dann mit Dir reden könnte, daß Du mir als Rechtserfahr⸗ ner einen Rath gebeſt. Sobald die Antwort der Mutter da iſt, werde ich ſie Dir mittheilen, und Dich fragen, was ferner zu thun iſt.“

„Es iſt gut ſo,“ antwortete Robert,„ſage nur keinem Menſchen etwas von der Sache, damit nicht entgegengearbeitet werde. Wenn die Lage ſo iſt, wie ſie ſcheint, dann müſſen beſtimmt und gewiß Documente von jenem Julius Scharnaſt irgendwo liegen; die Kunſt iſt dann nur, ſie klug zu finden und klug zu heben, ehe ſich eine Hand darein miſcht. Sie müſſen vorhanden ſein, wenn er nicht ganz und gar leichtſinnig und ſorglos um ſeine Nachkommenſchaft geweſen iſt. Wenn der Brief Dei⸗ ner Mutter Winke gibt, ſo will ich ſelber mit Dir reiſen, und jeden