theils die verſchiedenſten Lichterſpiele auf die Gemälde wirken laſſen zu können, theils dieſelben vor unmittelbarer Sonne zu ſchützen. Und wie ſehr Ruprecht mit der Sache vertraut war, und ſie liebte, zeigte der Um⸗ ſtand, daß er oft durch unbedeutende gelegentliche Züge an Schnüren oder Federn ganze entfernte Bilderreihen plötzlich in das zarteſte Licht legte, da ſie vorher in ungünſtiger Dämmerung geſchwebt hatten.
Von den Frauen war keine einzige unſchön, manche voll herrlicher Anmuth, und einige Jungftauen blendend und untadelig.— Von den Männern war keiner unbedeutend, viele ſchön, einige voll Schwärmerei oder Gewalt des Geiſtes; alle mit einem ſonderbaren Zuge von Ueber⸗
ſchwenglichkeit, wie mit einem Familienzeichen behaftet:— da war Jo⸗ hannes, der Erbauer der Sphinxe und des Obeliskus— dann Siptus, der Gründer dieſes Baues, und wahrſcheinlich auch des Saales, dann Ubaldus, der ſtrenge Krieger— und andere.—— Weit unten von
denen ſaß ein alter Mann mit einem Blicke, als glühte Dichtkunſt oder Wahnſinn drinnen: es war Prokopus, der Sterndeuter.— Jungfrauen in ſanfter Schönheit prangten neben ihm, ſeine Töchter, und hart daran ein ſeltſames Paar, zwei Männer: der Eine in reichem Goldkleide wi⸗ drigen Antlitzes mit furchtbarem, rothem Barte, der Andere im armen grünen Jagdkleide, ein ſanftes Bild der größten Sugntonſt es waren die Brüder Julianus und Julius, Söhne des Prokopus—— Heinrich erſchrak; denn wenn es wahr iſt, was ihm ein geſendeter Zu⸗ fall erſt kürzlich geoffenbaret, wenn er ein ſpäter Sproſſe all dieſer Män⸗ ner iſt, ſo war es dieſer Jüngling Julius, durch den der Strom in ſein fernes s Heimatthal geleitet wurde, daß er ſelbſt nun heute, nach mehr als anderthalb Jahrhunderten, ein verſchlagner, unbeachteter, S Tropfen desſelben, vor der reichen Quelle ſtehe, aus der er kam.—
Bie ſeltſam die Schickſale der Menſchen und der Geſchlechter ſind! Was mußte nicht geſchehen, daß er heute hier ſtehe, und auf die zarte Stirne, und die großen freundlich lodernden Augen eines ſchaue, der vielleicht ſein Ur⸗Ur⸗Großvater iſt, jener Mann, von dem er ſo viel reden gehört, der gekommen ſei, man wußte nicht, woher, der gewaltet, gewirthſchaftet, und gelebt habe, ſo herrlich, wie kein Menſch, und den er ſich nie anders, denn als ſchwachen verkommenen Greis vorſtellen konnte, weil der Großvater erzählt hatte, wie er ſo ſchön im weißen Barte und ſchwarzen Sammtkleide auf dem Paradebette gelegen ſei, als Stifter. 4. Aufl. I. 20


