Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 300—

— und ſie hängen noch dort; denn das Grüne hat er ſehr geliebt—— und Ihr müſſet ſie Beide züchtigen, Erlaucht, die ungetreuen Knechte. Ach Alles, Alles iſt nicht fertig geworden.“

„Laſſe uns um Gotteswillen das andere ſchnell abthun,— mir wird es unheimlich in der Gegenwart dieſes alten Mannes,“ flüſterte Heinrich ſeinem Begleiter zu.

„Laſſet ihn nur,“ verſetzte dieſer,„er iſt ja übrigens ganz harmlos.“

„Ich werde Euch nun zum glatten Hauſe führen,“ ſagte Ruprecht, „und die Clauſur der Frau Hermenegild aufſchließen; aber es ſind jetzt die Bienen drin— ſie thun nichts, und ſind nicht wild; denn ich habe ihnen nie Honig genommen, ſie tragen viel aus den Linden der Gräber herüber, und der iſt ſüß und duftig—— ich werde Euch auch den Wein zeigen— folgt mir nur.“

Und er führte ſie durch den Eichenwald dem ſogenannten Sixtus⸗ baue entgegen. Sie betraten ihn von der Hinterſeite, und fanden wirk⸗ lich hier den ſeltſamſten Haushalt: es lief ein langer ſchmaler Glasgang mit erblindeten regenbogigen Scheiben längs des Gebäudes, und aus einigen zerbrochenen Scheiben desſelben wogte es von Bienen aus und ein, und ſo viel man durch das trübe Glas erkennen mochte, war der Gang, insbeſondere die Niſchen abenteuerlich mit rieſenhaſten Waben bebaut, und die allergrößte Thätigkeit herrſchte fort, daß es einem ordent⸗ lich im Kopfe wirrte und ſchwirrte, je länger man dem Treiben dieſes Knäuels von Republiken zuſah, an einem zu ſolchem Haushalte ſo un⸗ paſſenden und ungewöhnlichen Orte.

„Die Nonnen hatten ſonſt den Gang zum Luſtwandeln gehabt,“ ſagte Ruprecht,„aber das iſt nun nicht mehr möglich, weil ſie todt ſind, und wir können auch nicht dort gehen, wegen der Bienen; ich werde aber öffnen, wo wir durch die Zellen der heiligen Frauen kommen.— Im Winter gebe ich dem kleinen Geflügel immer Stroh; Graf Chriſtoph nahm ihnen noch Honig, denn ex war ihr Herr; aber ich laſſe ſie fort⸗ bauen, und es ſind ſchon manche Schwarme in die Fichtau hinausge⸗ ftogen, weil ſie meinten, es ſei hier zu enge, oder weil ſie thaten, wie die Jugend überhaupt zu thun pflegt. Da die Frau Gräfin Hermene⸗ gild, als ihr Herr, Ubaldus, im heiligen Kriege gefallen war, die Zellen eingerichtet, und die heiligen Frauen zur Anbetung Gottes berufen hat, dachte ſie nicht, daß in den ſchönen Glasgang dieſe Bewohner kommen