Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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anderes Thor, nicht maſſiv, nicht verſiegelt, ſondern ein hohes breites Eiſengitter, führte hinein. Es war auch ein Garten, aber ſtatt der Blümlein war nur ein dunkler hingehender Raſen, ſtatt des Obeliskes ein weißes Crucifix in Mitte von vier Linden, und ſtatt des Gartenhau⸗ ſes eine Kapelle von den Eichen überſchattet, die draußen in dem Walde des Julian ſtanden.

„Die Bücher, ſo in dem Gewölbe dieſes rothen Steines ſind,“ ſagte Ruprecht,„reden nur zu Leuten, die aus dem Blute unſrer Grafen ſtam⸗ men, und jeder Tropfen iſt aufgeſchrieben, der ſeit ſiebenhundert Jahren aus einem ihrer Herzen rann, und keiner darf die Schrift leſen, der nicht ein Kind desſelben Geſchlechtes iſt. Ihr ſeht, daß die Thore des Steines verſiegelt ſind, Ihr könnt nicht hinein, aber zu dem andern habe ich die Schlüſſel.“

Und er ſchloß das Gitter auf, und führte ſie durch eine heitere Allee von Linden auf den Kirchhof. Es war der ſtillſte Ort, den Heinrich noch auf dem Berge geſehen hatte, faſt zum Frieden und Schlummer ladend; denn von drei Seiten war er durch den Eichenwald des Julian umgeben, ſo daß beinahe kein Lüftchen, ja kein Ton von außen zu dieſer Inſel dringen konnte: von der vierten Seite ſtand das alte Schloß und die Lindenallee, grau und grün gemiſcht— und von oben war die tiefe Bläue des Himmels und das niederfließende Gold der Sonne. Auch war jene wimmelnde Bevölkerung von Kreuzen und Zeichen nicht da, womit ſonſt ſo gerne die Erhabenheit eines Todtengartens zerſtört wird, und womit der Menſch ſeine armen Flitter, auch in dieſes ernſte Reich hin⸗ über trägt, ſondern auf dem gleichen Raſen waren nur einige unbedeu⸗ tende Merkmale, die Ruheſtelle treuer Diener des Hauſes bezeichnend, und in der Mitte ſtand ein hohes Kreuz von weißem Marmor, als Zei⸗ chen des allgemeinen Friedens und der allgemeinen Gleichheit. Viele Mitglieder des Geſchlechtes ruhten ohne Grabmerkmal, wie ſie es ver⸗ ordnet, unter der allgemeinen einfachen Decke des Raſens; andere aber lagen mit Wappen, Zeichen, Zierden und Prunk in der weitläufigen Gruft unter der Kapelle. Heinrich und Robert ſtiegen in dieſe Gruft hin⸗ unter; Ruprecht, der ſie ihnen aufgeſchloſſen hatte, blieb oben auf einem Marmorwürfel ſitzen, der ausſah, wie ein unfertiger Grabſtein. Die Gruft hatte nichts anderes, als eben Grüfte zu haben pflegen: Särge, Wappen, Vergänglichkeit— alles bedeckt mit Pomp und Moder, nur ein