Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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Fenſter wehte die Luft, kein Getäfel und Holz war mehr zu ſchauen, der Marmor der Gänge und Säle war erblindet, ſteinerne Stiegen hingen in der Luft, Mörtel rollte und rieſelte allſeits, ein buntes Lichterſpiel flim⸗ merte, und hellgrüne Pflanzen taumelten, wo ein Lüftchen zog, oder ein Strahl hinküßte. Ueber eine jener hängenden ſchief geſunknen Stiegen mußte das Mädchen zu dem hohen Balkone gelangt ſein.

Nachdem ſie über Kalkhügel und Steinhaufen gegangen, durch Bre⸗ ſchen und Thürlöcher gekrochen, ohne das mindeſte Merkwürdige getroffen zu haben, verlangten ſie hinaus, und der Greis führte ſie durch ein an⸗ deres Thor, das er ebenfalls ſorgſam hinter ſich verſchloß, in den Garten des Hauſes. Es war ein langes Viereck, zu deſſen beiden Seiten Mauer⸗ werk lief, nicht hoch über dem Boden zwei lichte freundliche Säulengänge führend. Von hinten war das Viereck durch einen mächtig großen Mar⸗ morfels geſchloſſen.

Wenn ein Wald oder Garten auch eine Ruine ſein könnte, ſo wäre es dieſer geweſen. Eingeſunkne Gartenbeete, blecherne Blumentäfelchen mitten im Graſe, eine fröhliche Wildniß von Unkraut, ein verdorrter Obſtbaum, ein anderer ein bloßer Pflock mit zwei grünen Waſſerſchöß⸗ lingen, ein dritter mit herrlicher Frucht, eine zweckloſe ſpäte Gabe— die Pfirſichzweige an der Wand einſt die Liebe und der Stolz des Herrn, hin⸗ gen ſeitwärts, unangebunden, unfruchtbar, wie ſchlechte Weidenruthen— eine Ulme war emporgeſchoſſen, und ſtreckte ihre Zweige luſtig in den Säulengang hinein. Tauſend Bienen und Käfer ſummten und arbeiteten in den üppigen Blüthen des Unkrautes.

Mitten hindurch aber ging ein breiter ſchöner Weg, als wäre täg⸗ lich jemand darauf gewandelt, oder als wäre er geſtern erſt gemacht wor⸗ den. Heinrich hatte auch bemerkt, daß in der Ruine von dem einen Thore bis zum andern über die Schutthügel ordentlich ein getretener Weg laufe. Sie gingen den Garten entlang. Wie ſie immer näher kamen, ſo ſtieg ihnen der rothe Fels ſtets größer entgegen, und Heinrich bemerkte endlich, daß in denſelben eine hohe Pforte gehauen war, mit einem eiſernen Thore verſchloſſen, daran eiſerne Schlöſſer hingen, mit dem gräflichen und den Gerichtsſiegeln verſiegelt. Es war dieſer Felſen der ſogenannte rothe Stein, in dem die Lebenserzählungen aufbewahrt waren, und deſſen Be⸗ deutung Heinrich von Robert aus den Gerichtspapieren erfahren hatte. Seitwärts dem rothen Steine war der Kirchhof des Schloſſes. Ein