Ehrenſpiegel des Erzhauſes Oeſterreich mit Stichen— dann noch ande⸗ res, woraus dem Eintretenden ſofort klar wird, daß hier gelehrt gelebt werde und ein Junggeſellenſtand ſei, in welchem eine große Anzahl Gul⸗ den Jahr aus, Jahr ein nicht da iſt, wo aber Künſte und Wiſſenſchaften blühen und an Gefühlen ein wahrer Ueberfluß herrſcht.— Hier nun lebt Dein Freund und verlegt ſich auf das Schöne. Er lieſtt eine Menge Bücher, läuft ſpazieren— ja, der Unglückliche geht oft drei Tage ſpazie⸗ ren und gelangt zum Schneeberge, was dann zur Folge hat, daß er wie⸗ der drei Tage zurückſpazieren muß; aber er thut es gern, und begeht da gerade die beſten Pfingſtfeſte ſeines Herzens. Dann malt er fleißig an Vormittagen— dann wohnt er wieder einen Tag in einer Bilder⸗ oder Bücherſammlung— macht Abends Beſuche oder geht gar in eine Schenke, wo ein Kränzchen von Bekannten wacker plaudern und alle Wiſſenſchaften handhaben— oder er nimmt ſein Geräthe zur Hand und ſitzt wochen⸗ lang auf den Bergen um Wien herum, und will dort die Natur abconter⸗ feien. Wenn ſie einen oder den andern Helden im Theater aufführen, ſo ſitzt der frohe Kauz ſchon viel zu früh darinnen— manches Concert kann er kaum erwarten; in die Oper und in das Ballet geht er gar nicht, der Einſeitige— und in dieſem Augenblicke wird er häufig in der Gemälde⸗ ausſtellung und im Paradiesgarten geſehen. In manchen Familien ha⸗ ben ſie ihn lieb, und er geht oft hin; in andern können ſie ihn nicht ganz gut leiden, und er geht auch hin, wenn er ſie gleich durch verſchro⸗ bene Begriffe ärgert.
Nun, ich denke, hier haſt Du perſönliche Verhältniſſe genug— aber da ich einmal im Zuge bin, ſo fahre ich fort. Bekannte habe ich eine Menge, worunter zwei faſt Freunde ſind,— Lothar und der drollige alte Engländer Aſton. Er ſcheint mit mir einen Plan zu haben— er hat überhaupt für ſein Leben gern Pläne— ich weiß zwar nicht was für einen, aber daß ein ſolcher in voller Blüthe ſteht, leuchtet wie ein Zei⸗ chenfeuer aus ſeinem ganzen Weſen. Kein Menſch auf Erden leitet und ordnet ſo gerne als er.„Ich bitte Euch flehentlich,“ ſagt er,„laſſet nur mich gewähren, und verderbet nichts;“— dafür, wenn man ihm die Sache überläßt, darf man aber auch rechnen, daß ſie bis in's Kleinſte meiſterhaft iſt— nur darf es nichts Wichtiges ſein; das verpfuſcht er. Er überraſcht auch gerne und hat ſeine Heimlichkeiten; nur weiß man ſie immer, meiſt aus den Schildwachen, die er mit Angſt um das Geheimniß


