Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

ßen, hat an der Hinterwand Sitze, und rings ſtehen dunkelblättrige Topf⸗ pflanzen, als da ſind: Oleander, Camellien, Orangen u. ſ. w.

Zwiſchen dieſen glänzen Marmorbilder. Zu den Seiten dieſer Halle und über ihr ſind die Zimmer, zu denen breite, ſanfte, lichte Treppen mit Standbildern ſühren. Das ebene Dach iſt ganz mit Blumen, Bäumchen und Sitzen bedeckt. Von ihm ragt der aſtronomiſche Saal empor. Auch ein paar Spiegelzimmer dürfen nicht fehlen,— von dem Fußboden bis zur Decke Spiegelebenen, im Vieleck geſtellt, mit veränderlichem Neigungs⸗ winkel, daß man im luſtigen Humor die Ausſicht durch einander wirren und ſtückweiſe zerwerfen kann. Der naturwiſſenſchaftliche Saal iſt hin⸗ ten im Baumgarten. Am Hauſe rückwärts bilden zwei Flügel einen Hof mit— nicht Ställen, ſondern— Zimmern für die Thiere, die faſt ängſt⸗ lich rein gehalten werden. Man hegt deren allerlei, und jede Gattung hat ihren geräumigen Spielplatz. Der Obſt⸗ und Gemüſegarten iſt ſehr groß und liefert durch gute Pflege genug und erleſenes Obſt in die Win⸗ terbehältniſſe. Park iſt keiner, weil ohnehin einer da iſt, den die Natur meilenweit umhergelegt hat mit Seen, Strömen, Alpenwäſſern, Matten, Felſen, Wäldern, Schneebergen u. ſ. w.— nur mit kunſtloſen Pfaden und Ruheplätzen wird nachgeholfen, aber nur äußerſt vorſichtig, daß ja nichts verkleinlicht werde. Die einzelnen Landhäuſer— denn die Ehe⸗ paare ſind die beſten Freunde— ſind durch Säulengänge verbunden, in denen im Sommer die Orangenſammlung ſteht.

In dieſem Tusculum nun wird gelebt und eine Schönheitswelt ge⸗ baut. Der Himmel ſegnete die Anſiedlung mit Weltgütern(ſonſt hätten ſie die Landhäuſer gar nicht erbauen können), und keiner der Männer iſt an ein ſogenanntes Geſchäft gebunden, das ihm die allerſchönſten Lebens⸗ jahre wegfrißt und das Hetz ertödtet, ſondern jeder weiht ſeine Thätigkeit nur dem Allerſchönſten, und ſucht, ſo viel an ihm iſt, das Reich der Ver⸗ nunft auf Erden zu gründen. Wiſſenſchaſt und Kunſt werden gepflegt, und jede rohe Leidenſchaft, die ſich äußert, hat Verbannung aus dem Tuseulum zur Folge. Kurz, ein wahres Götterleben beginnt in dieſer großartigen Natur unter lauter großen ſanften Menſchen. Auch für ihre etwa kommenden Kinder iſt mir nicht bange; ſie werden ſchon recht er⸗ zogen werden.

Ich gehe hin und bitte die Eheleute um des Himmels willen, ſie möchten mich bei ſich leben, malen und dichten laſſen, als Kebsmann des