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ich viele, aber wenig von Werth;— nur einen fand ich, der mich feſ⸗ ſelte, einen ſehr jungen Mann; er zeichnete die Ausſicht in ein Gedenk⸗ buch, und ich ſah ihn mit Muße an— ein Geſicht voll Ernſt und Güte, mit klugen, unſchuldigen Augen. Er ſchenkte mir keine Aufmerkſamkeit, und ich ging endlich weiter. Da dachte ich ſo, wie denn Gott mit den Linien und Formen des Menſchenangeſichts ſo eigen und am wunder⸗ barſten den Geiſt der Schönheit verband, daß wir ſo mit Liebe hinein⸗ ſehen und von Rührung getroffen werden;— aber kein Menſch, dachte ich, kann eigentlich dieſes wundervolle Titelblatt der Seele ſo verſtehen, als ein Künſtler, ein echter, rechter, wie er uns Beiden oft im Ideale vorſchwebte; denn der Weltmenſch ſchaut nur oberflächlich oder ſelbſt⸗ ſüchtig, und der Verliebte verfälſcht, nur zu ſehr am irdiſchen Geſchöpfe hangend; aber der reine, einfältige Meiſter in ſeiner Werkſtätte, tage⸗ lang denſelben zwei Augen gegenüber, die er bildet und rundet,— der ſieht den Finger Gottes aus den todten Farben wachſen, und was er doch ſelber gemacht hat, ſcheint ihm nun nicht bloß ein fremdes Geſicht, ſon⸗ dern auch eine fremde Seele, der er Achtung ſchuldig iſt,— und öfters mag es geſchehen, daß mit einem leichten ungefähren Zug des Pinſels plötzlich ein neuer Engel in die Züge tritt, davor er faſt erſchrickt, und von Sehnſucht überkommen wird.
Ferner dachte ich an Gallerien, wo die Augen und Wangen längſt vergangener Geſchlechter noch immer ihre Freude und ihr Weh erzählen ———— dann dachte ich an unſer eignes Sterben und an den Glanz derer, die nachher ſein werden—— und in dem Fortſpinnen desſelben düſter ſchönen Gedankens zog ich die ſanften Fäden planloſen Fantaſi⸗ rens um mein Haupt, und über die große ſtille Landſchaft vor mir,— ich ging herum in's Weite und Breite, und ließ von Gedanken und Fantaſieen kommen, was da wollte. Ach! ein ſanftes Eden liegt im Menſchenherzen, und es blühen darin leuchtende und dunkle Blumen. Meine gewöhnliche Frühlingstrauer ſtellte ſich ein. Ich weiß nicht, ob die ſchönen allererſten Frühlingstage auch Andere traurig machen. Iſt es etwa die Ruhe nach den Winterſtürmen, die lächelnd in der unge⸗ heuern Bläue liegt, und darunter auch ruhig die todte Erde und das ſchwarze Baumgitter, das des Keimens hartt— oder iſt es phyſiſcher Einfluß der weichen Luſt nach der Winterhärte, oder Beides?——— Weithin über den Horizont Ungarns ſchweiften trübe, gedehnte


