maribus und ſolches Zeug lernte, was ich zwar auch that, ſo daß ich das Ding der Länge nach herzuſagen vermochte;— aber ich hatte es millionenmal lieber, wenn ich mich aus einem ſchönen Ritterbuche ab⸗ ängſtigen konnte, oder wenn mir einmal— ich habe ſeitdem das Werk nicht mehr geleſen— geradezu das Herz brach, da Ludwig der Strenge ſofort ſeine wunderſchöne, unſchuldige Gattin hinrichten ließ, die bloß verläumdet war, und die Niemand retten konnte als ich, der ich aus dem Buche die ganze Schlechtigkeit ihrer Feinde geleſen hatte, aber unglück⸗ licher Weiſe dreihundert Jahre zu ſpät.
Damals, da ich bis zur letzten Seite auf Rettung baute und traute und endlich keine kam, rieb ich mich faſt auf vor Schmerz. Aus jenem unbewohnten, ſtaubigen Taubenſchlage, Titus, trug ich wunderſame, liebe Gefühle bis in die ſpäteſten Zeiten meines Lebens hinüber, und wurde nach der Hand für und für kein Anderer; immer ſuche ich noch, bildlich geſprochen, ſolche Taubenſchläge, ſpanne mich aus der Gewerks⸗ welt los und buhle um die Braut des Schönen.
Freilich werde ich hierbei nicht reich; aber mein Vetter, der Me⸗ tallgeizhals, kümmert ſich auch nicht um Schönheit.— Die Dinge ſind eben ganz entgegengeſetzt; nur können wir uns Beide die Sache nicht ausſchlagen, weil das Leben keinen Dreier mehr werth iſt, ſobald man unſer Streben daraus wegnimmt. Darum ſollte man es Jedem laſſen, keinen ftemden Maßſtab und leichtfertigen Tadel an unſer Thun legen, weil man die Chemie nicht einſieht. Da bin ich milder, und ſchreie nicht gleich Zeter, wenn mein ehrlicher Doppelgänger einigen zweckmäßigen Hunger leidet, weil noch eine Prachtſumme zurückzulegen iſt, die ſeiner Sammlung zur wahren Zierde gereichen wird;— aber er und Andere ſollen dafür auch nicht murren, wenn ich Geld und Gut nicht achte, in Concerte, unter den Sommerhimmel, in Theater, Bilder⸗ ſäle laufe und die Dinge anhöre und anſehe, beſonders aber gern die Augen in lieben, feinen, jungen weiblichen Geſichtchen ſtecken laſſe; es iſt jä keine Selbſtſucht— wahrlich keine.——— Das iſt eben das komiſch Aergerliche bei uns Geizhälſen, daß die Andern uns ſo viel Selbſtſucht andichten, während wir doch(er und ich) nur die reine Form anbeten und den ſtofflichen Beſiß endlich immer jemand Anderm laſſen, — er freilich etwas ſpät und ungern, nämlich bei ſeinem Lebensende,— ich aber jeden Augenblick und mit größter Heiterkeit.


