Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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dem Munde der unterſten Klaſſen ein Ruf des Entzückens entfuhr, wenn ſie dieſelben erblickten, und von dieſer Natur getroffen wurden. Das erſte war eine große Stadt von oben geſehen, mit einem Gewimmel von Häu⸗ ſern, Thürmen, Kathedralen, im Mondlichte ſchwimmend— das zweite eine Flußpartie in einer ſchwülen, elektriſchen, wolkigen Sommermond⸗ nacht.

„Guſtav R... aus Deutſchland,“ ſtand im Kataloge, und man kann denken, welche Reihe von Erinnerungen plötzlich in mir außzuckten, als ich„Guſtav“ las— ich kannte nun den Künſtler ſehr wohl.— Alſo auf dieſe Weiſe, dachte ich, iſt dein Herz in Erfüllung gegangen, und hat ſich deine Liebe entfaltet! Armer, getäuſchter Mann!— Auch das werden unſere Leſer verſtehen, was ſich damals ganz Paris als eine Selt⸗ ſamkeit und Künſtlerlaune erzählte, daß nämlich auf jedem Bilde eine Katze vorkomme— der chrliche gute Hinze.

Ich blieb faſt bis zum Schluſſe, und ſah nun auch die andern Bil⸗ der an. Als ich auf meinem Rückwege die Säle wieder an den zwei Ge⸗ mälden vorüberkam, bemerkte ich, wie ein Galleriediener einer Dame, die davor ſtand, bedeutete, daß ſie gehen müſſe, weil geſchloſſen werde. Die Dame zögerte noch einen Moment, dann löſ'te ſie ihr Auge von den Ge⸗ mälden, und wandte ſich zum Gehen— nie wurde ich von zwei ſchöne⸗ ren Augen getroffen— ſie ließ den Schleier überfallen und ging davon.

Ich konnte damals nicht ahnen, wer ſie war, und erſt heute nach einer Reihe von Jahren vermag ich zu berichten, daß die Dame nach je⸗ nem Beſuche in dem Salon nach ihrem Hauſe in der Straße St. Honore fuhr, daß ſie dort in ihrem Schlafgemache die Fenſtervorhänge niederließ, die Hände über ihrem Haupte zuſammenſchlug, und dann ihr Angeſicht tief in die Kiſſen des Sofa's drückte. Wie zuckte in ihrem Gehirne all das leiſe Flimmern und Leuchten dieſer unſchuldigen, keuſchen Bilder, gleichſam leiſe, leiſe Vorwürfe einer Seele, die da ſchweigt, aber mit Licht⸗ ſtrahlen redet, die tiefer dringen, die immer da ſind, immer leuchten, und nie verktingen, wie der Ton!

Paris wußte es nicht, als jenes Tages ſeine gefeiertſte Schönheit in keinem der Zirkel erſchien, die Schönheit, welche tauſend Herzen ent⸗ zündete, und mit tauſenden ſpielte— Paris wußte es nicht, daß ſie zu Hauſe in ihrem verdunkelten Zimmer ſitze, und hilflos ſiedende Thränen über ihre Wangen rollen laſſe, Thränen, die ihr faſt das lechzende Herz