im Zimmer, und auf einmal— er wußte nicht warum— trat er an das Fenſter und ſah hinaus. Es war draußen ſtill, wie drinnen; ein traurig blauer Himmel zog über regloſe grüne Bäume— der Jüngling meinte, er ringe mit einer Rieſenſchlange um ſie zu zerdrücken. Plötz⸗ lich war es, als höre er hinter ſich einen dumpfen Ton, wie wenn etwas niedergelegt würde— er ſah um: wirklich waren Palette und Malerſtab weggelegt, und die Jungfrau ſaß im Stuhle rückgelehnt, die beiden Hände feſt vor ihr Antlitz drückend. Einen Moment ſchaute er auf ſie und begann zu beben;— dann ging er leiſe näher— ſie regte ſich nicht— dann noch näher— ſie regte ſich nicht— er hielt den Athem an, er ſah auf die ſchönen Finger, die ſich gegen die 2 lüthe des Antlitzes drückten— und da ſah er endlich, wie quellend Waſſer zwiſchen ihnen vordrang— mit Eins lag er auf ſeinen Knieen vor ihr. Man er⸗ zählt von einer fabelhaften Blume der Wüſte, die jahrelang ein ſtarres Kraut war, aber in einer Nacht bricht ſie in Blüthen auf, ſie erſchrickt und ſchauert in der eignen Seligkeit— ſo war's hier: mit Angſt ſuchte er unter ihren Händen empor in ihr Angeſicht zu ſchauen; allein er konnte es nicht ſehen,— er ſuchte ſanft den Arm zu faſſen, um ihre eine Hand herabzuziehen;— allein ſie ließ den Arm nicht. Da preßten ſeine Lip⸗ pen das heiße Wort heraus:„Liebe, theure Cornelia!“
Sie drückte ihre Hände nur noch feſter gegen das Geſicht, und nur noch heißer und nur noch reichlicher floſſen die Thränen hervor.
Ihm aber—— wie war ihm denn? Angſt des Todes war es über dieſe Thränen, und dennoch rollte jede wie eine Perle jauchzenden Ent⸗ zückens über ſein Herz—— wo iſt die Schlange am Fenſter hin? wo der drückende blaue Himmel?— Ein lachendes Gewölbe ſprang über die Welt, und die grünen Bäume wiegten ein Meer von Glanz und Schimmer!
Er hatte noch immer ihren Arm gefaßt, aber er ſuchte nicht mehr ihn herabzuziehen— ſie ward ruhiger— endlich ſtille. Ohne das Antlitz zu enthüllen, ſagte ſie leiſe:„Sie haben mir einſt über mein den Män⸗ nern nachgebildetes Leben ein Freundeswort geſagt,...“
„Laſſen wir das,“ unterbrach er ſie,„es war Thorheit, Anmaßung pin ni
„Nein, nein,“ ſagte ſie,„ich muß reden, ich muß Ihnen ſagen, daß es anders werden wird—— ach, ich bin doch nur ein armes, ſchwaches Stifter. 4. Aufl. I. 2


