So ſagte ich ungefähr zu dem Kater, er aber drehte ſeine Augen, als verſtände er meine Rede, noch einmal ſo groß und noch einmal ſo freundlich gegen mich, daß ſie wie Glimmerſcheiben leuchteten, und die Seite ſeines weichen Felles gegen meine Hand krümmend und ſtemmend, hob er ſofort ſein traulich pinnen an, während ich fortfuhr, mit ihm zu koſen:„Man ſieht in einer langen Mondnacht, das wirſt du wiſſen, Lieber, wenn du ſonſt Beobachtungsgeiſt beſitzeſt; aber ſiehe, ich wußte es nicht, da ich nie Zeit hatte, eine ſo recht von Herzen anzu⸗ ſchauen, allein in dieſem Harren und Schauen nach dem Himmel, na⸗ mentlich da der gehoffte Weltkörper immer nicht kam, hatte ich Muße genug den Lebenslauf einer Frühlingsnacht zu ſtudiren.“
Da aber alles wahr iſt, was ich da meinem lieben Freunde Hinze eröffnete, ſo ſehe ich nicht ab, warum ich es nicht auch einem noch lie⸗ bern Menſchenauge eröffnen, dem einſt dieſes Blatt vorkommen könnte, warum ich nicht ſagen ſollte, daß mich wirklich ein närriſches und un⸗ glückliches Verhängniß an dieſes Fenſter kettete, und meine Blicke die ganze Nacht in die Lüfte bannte. Es will faſt närriſch ſein, aber jeder ſäße auch bei mir hieroben, wenn er vorher das erlebt hätte, was ich.
Die Zeit war zäh, wie Blei.
Leider war ich ſchon viel zu ftüh heraufgeſtiegen, als ſich noch das leidige Abendgetümmel der Menſchen durch die Gaſſen ſchleppte, und eine wunderliche Diſſonanz bildete zu dem lieben Monde, der bereits mit roſenrothem Angeſichte dort drüben zwiſchen zwei mächtigen Rauchfän⸗ gen lag und auf meine zwei Fenſter herübergrüßte.
Allmälig puppte ſich denn doch alles, was Menſch heißt, in ſeine Nachthüllen ein, und nur die Rufe der Schlemmer tönten hie und da herauf, wie ſie ihren ſpäten Nachtweg nach Hauſe ſuchten— dann hob jene Zeit an, die die Philoſophen, Dichter und Kater lieben, die Na cht⸗ ſtille— mein vierpfotiger Freund hat eben nicht den übelſten Ge⸗ ſchmack für die Zeit ſeiner Spaziergänge.— Der Mond hatte ſich end⸗ lich von den Dächern gelöſet, und ſtand hoch im Blau— ein Glänzen und ein Flimmern und ein Leuchten durch den ganzen Himmel begann, durch alle Wolken ſchoß Silber, von allen Blechdächern rannen breite Ströme deſſelben nieder, und an die Blitzableiter, Dachſpitzen und Thurm⸗ kreuze waren Funken geſchleudert. Ein feiner Silberrauch ging über die Dächer der weiten Stadt, wie ein Schleier, der auf den hunderttauſend


