Frühlingen, aus der Reſidenz ein Häubchen geſchickt, welches die Blößen ihres dunkeln Haarwuchſes, der durch längere Krankheit vorübergehend gelitten hatte, ſo meiſterhaft ver⸗ deckte, daß ein junger Forſtamtsactuar, der leichtſinnige Herr von Stritzel, ihr vor allen Leuten das indiscrete Compliment machte, jetzt ſey ſie wieder weitaus die ſchönſte Frau in dem ganzen Burgfrieden. Die Frau Landrichterin hatte dies mit angehört und ſich auf der Stelle das nämliche Häubchen kommen laſſen. Allein ſchon bei der erſten Probe fand ſie mißliebig, daß es Sommerſproſſen und großen Mund gleich⸗ wohl nicht verhülle, und während ſie ſich ſo geſtehen mußte, daß ihre junge Freundin ungemein gewonnen habe, erlangte ſie die traurige Gewißheit, daß bei ihr Alles ſo geblieben wie es vorher geweſen. Seit der Zeit ging die Zwietracht auf zwiſchen den beiden Damen— ſie betraten nie wieder die nämliche Promenade, nie mehr denſelben Wirthsgarten, ſie vermieden ſich ſelbſt in der Kirche.
Die Landrichterin riß die ältere Frauenwelt zu ſich her⸗ über und ſchleuderte bitteres Gift auf den Ruf der Revier⸗ förſterin; zu dieſer aber hielten mannlich ihre jüngern Freun⸗ dinnen und ſtellten im Einklang mit ihr die Vorgeſetzte als einen gräulichen Drachen dar, der nur in Beſudelung jugendlicher Charaktere ſchwelge. Ihre Fahne war die ſiegreiche— Jugend und Schönheit haben immer etwas voraus— und überdieß war ihren Farben an dem feurigen Herrn von Stritzel ein Vor⸗ kämpfer geworden, der es mit dem Schwerte ſeiner Zunge allein
ſchon mit den erleſenſten Heldinnen des andern Lagers aufnahm. 3


