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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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gegeben, allein einen gewiſſen phlegmatiſchen Fleiß, der nie mehr thut, als er ſoll, aber dieſes gründlich, den konnte ihm keiner abſprechen. So war denn die Zeit gekommen, wo Baptiſt als Herr Johann Baptiſt Schimmelhauſer die hohe Schule beziehen ſollte. Ein mäßiges Stadtſtipendium, das gerade vorher erledigt und darauf von dem Magiſtrate ihm zugetheilt worden war, reichte wenigſtens ſo weit, daß er ein beſchränktes Leben ohne Zuſchuß aus der väterlichen Spar⸗ büchſe führen konnte, und ein ſchönes testimonium paupertatis ſollte ihn auch von der Verbindlichkeit des Honorarzahlens befreien. Die übrigen Vorbereitungen waren bald getroffen; ihm aber blieben die letzten acht Tage im väterlichen Hauſe ein Erinnerungsſtück für ſein ganzes Leben, denn er hatte ſich's ausgebeten, für dieſe Abſchiedstage den Speiſezettel be⸗ ſtimmen zu dürfen, und ſo waren ſie denn zu einer wochen⸗ langen Schwelgerei geworden, wo er nichts genoß als ſeine Lieblingsgerichte, Fleiſchknödel in Wildpretſauce, Leber⸗ würſte und Sauerkraut, Schweinsbraten mit bayriſchen Rüben u. ſ. w.

Sein Vater, der ſich von jetzt an Johann Baptiſt Schimmelhauſer senior nannte, führte ihn in der Univerſitäts⸗ ſtadt auf, beſorgte ihm ſeine Wohnung, kundſchaftete die billigſten Mittagstiſche aus, verabredete dann das Uebrige mit ſeinem Sohne und ging wieder ſeiner Wege. Baptiſt, wenn auch in der Welt noch wenig erfahren, denn er hatte ſeine Vaterſtadt bis dahin nur verlaſſen, um die Kirchweihen der nächſten Dörfer zu beſuchen, fand ſich doch bald in das