Teil eines Werkes 
1. und 2. Lieferung (1819)
Entstehung
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66. An die Unzufriednen.

Es iſt ein ſehr eingewurzelter und leicht täu⸗ ſchender Irthum vieler Menſchen, daß ſie das Große und Hohe, das Wahre und Schöne durch⸗ aus ganz nackt und nur als ſolches auf Erden fin⸗ den wollen, und daß ſie ſich z. B. einbilden, der wahrhaft große Mann muͤſſe auch weiter nichts ſein als dies, und gleichſam einen ofnen Brief und Aushängeſchild an der Stirn tragen, worauf Jeder leſen köͤnne: Allhier wohnt ein er⸗ habner Geiſt! Dieſe guten Leute ſind ſehr zu bedauern, indem ihre naͤrriſche Forderung die Möglichkeit dieſer Welt uͤberſteigt, ſie ſich folglich Alles, was noch wahrhaft groß und ſchon und gut iſt auf der Erde, ſelbſt vernichten. Sie konnen nicht begreifen, daß ein Weltweiſer fur alle Ewig⸗ keit Recht haben, und doch in Sprache und Stand⸗ vunkt von ſeinem Zeitalter abhaͤngen kann; daß ein Dichter gleich nach Beendigung eines Meiſter⸗ ſanges mit Wohlgefallen daran denken mag, wie ſchoͤn ſich ſein Gedicht auf Schweizerpapier in Saffian gebunden ausnehmen werde; ſie können noch weniger begreifen, wie ein alter entlaſſener Hauptmann in der ſchonſten Begeiſterung der Freude alle Höllen und Teufel zuſammenfluchen kann, womit er blos in ſeiner Sprache ſo viel ſagen will, als: Gott, wie gluͤcklich haſt du mich gemacht! oder gar, wie jenes Fraͤulein, das mit dem größten Eifer einen neuen Kleidbeſatz muſtert und richtet, eine hohe, himmliſche Jungfrau, ein Saͤnger und Helden begluͤckender Engel ſein ſoll.