Dann flüchtete ſie in ihr jungfräuliches Bett, das ihr ſchon befleckt vorkam, ſeit ſie ſich geſtehen mußte, daß ihr Herz nicht mehr jungfräulich war.
„Wie!“ rief ſie ſich ſelbſt entrüſtet zu,„ich ſollte ihn lieben!— einen Juden!— Und wenn ich ihn wirklich liebte,— könnte ich ihn denn hei⸗ rathen?— Ol erſt müßten wir beide allein auf der Erde ſein!“
Allein bald nahmen ihre Gedanken wieder eine andere Wendung.
Sie fuhr in ihrem Selbſtgeſpräche fort:
„Dennoch hat mein Herz ihn gewählt!“
Das war der letzte Gedanke der Jungfrau, denn der Schlaf ſchloß ihre Augen.
Aber auch noch während des Schlafes ſchweb⸗ ten ihr die Züge und die Geſtalt des Juden vor, verſchönert noch durch das Prisma des phantaſti⸗, ſchen Traumgottes.
Schön und heiter, gleich der Morgenröthe ih⸗ rer Liebe, erhob ſich auch die Morgenröthe des Himmels und jieß Clotilden neue Blumen vor ih⸗ rem Fenſter entdecken. Ein Lächeln der Dankbar⸗ keit belohnte den ſchönen Israeliten.


