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Schloß brachte, bald verſöhnt mit dieſer ſtandes, widrigen Wahl.
Edgar führte Wilhelmine an der Mutter Sarg, in die Gruft ſeiner Väter und ſagte:—„Sieh, wie ſie Alle ſo ruhig hier liegen, die ſtolzen Häupter! Keiner von ihnen war gewiß je ſo glücklich wie ich, der ich dem Herzen und nicht den Vorur⸗
theilen folgte, und glaube ſicher, wenn es wirk⸗ lich ſo iſt, daß ſie ſich noch um die hienieden Lebenden bekümmern, werden ſie klarer erſchauen, was zu ihrem Glücke frommt, und dem Enkel nicht zürnen, der es anders machte, als ſie. Doch komm jetzt hinauf in die Kapelle, zu der ſchützenden Gott⸗ heit 8 zu Manuela, der Heiligen dieſes Hauſe
Sie traten vor den Altar, über dem, als herr⸗ Schmuck, Lorenzo's ſchönes Bild: Manuela
s Madonna thronte. Wilhelmine, mit andäch⸗ 33 Liebesblick zu der verklärten Freundin auf⸗ ſchauend, ſchmiegte ſich inniger an Edgars Bruſt, der ſie feſt umſchlang.
Was ſie hier vor dieſer Heiligen dachten und empfanden, war wohl das beſte und frommſte Gebet, was je beglückte Liebe gen Himmel ſandte.
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