Teil eines Werkes 
3. Band (1862)
Entstehung
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nahme zurückgewieſen, und auch die dienende Schweſter blieb nicht lange bei ihr, wollte jedoch mit Manuela in ihrer Nähe Wache halten, damit alle Andern ſich beruhigt niederlegen konnten. So⸗ pald Beate die Priorin verlaſſen hatte, erhob ſie ſich wieder von ihrem Lager, auf das ein heftiger Krampfanfall ſie geworfen. Sie hüllte ſich feſter in den wollenen Schleier, um die Schauer, die ſie noch immer durchzitterten, zu verdrängen, und kniete dann in dem Betſtuhl nieder, der eine Ecke des kleinen Gemaches einnahm, und griff nach einem Buch, das aufgeſchlagen hier lag. Doch nur wenige Minuten haftete ihr Auge darauf, beweg⸗ ten ſich ihre bleichen Lippen zum Gebet. Das Buch fiel zu Boden, und die Hand, die es gehal⸗ ten, taſtete zitternd in den Falten des weißen Gewandes und zog einen Brief daraus hervor. Sie faltete ihn auseinander, jedoch, als kenne ſie bereits ſeinen Inhalt, zerknitterte ſie ihn während

des Oeffnens und barg ihn dann an ihrer Bruſt,

indem ſie beklommen ſtöhnte:

Könnte ich doch beten! Gebet verleiht Troſt und Kraft giebt Beruhigung Faſſung und dieſe muß mir werden, muß bis morgen