186
Ella wurde wieder heiter, und als ſie ein Paar dunkeläugige Kinder mit Mandolinen in den gebräunten Armen am Thore ſtehen ſah, rief ſie ihnen zu, hereinzukommen und ein Lied zu ſingen. Die Kleinen folgten freudig der erwar⸗ teten Aufforderung. Sie lagerten ſich zwiſchen die blumigen Hecken und ſangen?
„O Jugend, wenn in deiner holden Blüthe
Der junge Lenz noch deine Wangen ſchmückt, Dann ſei dein zarter Geiſt und dein Gemüthe Richt von des Ruhms, der Tugend Glanz berückt! Nur wer ergreift, wonach ſein Herz entglühte,
Iſt weiſe, wer die reifen Früchte pflückt.
So ruft Natur— Soll ſie vergebens locken? Willſt du für ihr Geheiß dein Herz verſtocken? Verſchleudern wollt ihr Thoren das Ergötzen, Das euch Natur in kurzem Lenze gönnt?
Nur Namen ohne Gegenſtand, nur Götzen
Sind, was als Preis und Werth die Welt erkennt; Der Ruhm, der wohl mit ſüßem Ton zu letzen Die Stolzen pflegt, den ihr ſo reizend nennt,
Iſt Echo, Traum, ja Schatten eines Traumes, Vom Wind verweht, wie Blaſen leichten Schaumes
Der Leib genieß' an heitern Gegenſtänden Befriedige der Geiſt der Sinne Luſt! Eilt von vergangenem Leid euch abzuwe Beſchleunigt nicht, erwartend den Verluſt!
Laßt dann den Himmel ſeinen Blitz verſchwenden, Vernehmt ſein Drohn mit ſorgenfreier Bruſt!
nden,


