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Nicht weit entfernt von dem jungen Mädchen ruhte in einem Polſterſtuhl eine bleiche Frau, der man es auf den erſten Blick anſah, daß ſie ein großes körper⸗ liches Leiden mit ſich herumſchleppte, das ſie zu jeder Arbeit unfähig machte. Von Zeit zu Zeit erhob die alte Frau das Auge und betrachtete einige Augenblicke die emſig arbeitende Tochter, dann zitterte ein Seufzer auf ihren Lippen, ſie ſchien mit Gewalt einen ſchmerz⸗ lichen Ausruf zurückzudrängen. Es blieb ſtill in dem kleinen Zimmer wie zuvor.
„Soll ich Dir jetzt Deinen Trank bereiten, Mutter⸗ chen?“ fragte Emilie, von der Arbeit aufſehend, in zärtlichem Ton.
„Thue es, mein liebes Kind, ich bin zu ſchwach, um ſelber aufzuſtehen“, entgegnete die kranke Frau leiſe.
Emilie eilte mit flüchtigen Schritten hinaus in die Küche, bald kehrte ſie mit einer gefüllten Taſſe zu⸗ rück, aus welcher ein angenehmer, kräftiger Geruch emporſtieg.
Als nun Emilie zu der Mutter herantrat und ihr die Taſſe überreichen wollte, ergriff dieſe die Hand der Tochter, zog das wundervoll ſchöne Köpfchen derſelben an ihre Bruſt und ſprach gerührt:„Du armes liebes Kind, wie mußt Du Dich jetzt meinetwegen abmühen!


