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ten Wunſch erfüllt zu ſehen oder Hülfe in einer plötz⸗ lich eingetretenen Noth zu finden. War ihre Mutter herrſchfüchtig und ſtolz bis zur Widrigkeit, ſo beſaß ſie einen um ſo ſanftern Charakter und legte eine Freund⸗ lichkeit gegen den ärmſten Menſchen an den Tag, die oft den Betreffenden Freudenthränen auspreßte. Ihr einſtiger Uebermuth, die Luſt, Jemand Verlegen⸗ heiten zu bereiten, war ganz von ihr geſchwunden, ſeit ſie liebte und zum erſten Mal ein Schmerz ſie berührt hatte. Sie wurde bald in ganz Alſenſtein wie ein freundlicher und wohlthuender Engel betrachtet, und es währte nicht lange, ſo verbreitete ſich dieſer Ruf auch auf die Nachbarorte.
In demſelben Maße aber, wie Alice geliebt und verehrt wurde, war ihre Mutter gemieden, jeder Dorf⸗ bewohner fürchtete ſie, denn nie zeigte ſie den Unter⸗ gebenen ein der Menſchenfreundlichkeit ähnliches Gefühl.
Ende des erſten Bandes.
Druck von Bär& Hermann in Leipzig. Papier von Julius Lange in Jeßnitz bei Deſſau.


