19
„Ich weiß, was Du ſagen willſt, und Du haſt nicht ganz Unrecht. Man mag ergreifen, was man will, ohne einen guten Vetter hält es ſchwer, emporzukommen, wenn der Name nicht ſchon allein dazu berechtigt. Aber man kann ſich zuweilen durch außergewöhnliche Kenntniſſe, durch eifriges Streben auszeichnen und ge⸗ langt am Ende doch zu höhern Würden, jedenfalls bleibt man ſo lange im Dienſt, wie man fähig iſt, ein Amt zu verwalten, oder bis man ſelber um Pen⸗ ſionirung bittet. Bleibſt Du hingegen Soldat, und Du biſt durch Dein Dienſtalter berechtigt, zu erwarten, die Reihe werde endlich auch an Dich kommen, daß Du die Charge eines Commandeurs erhältſt, ſo er⸗ folgt die Verabſchiedung, und Du mußt zu ſpät ein⸗ ſehen, daß Du die ſchönſte Zeit Deines Lebens ver⸗ geudet haſt. Das Herz voll Bitterkeit und von Selbſt⸗ vorwürfen gepeinigt, wirſt Du in einen Stand verſetzt, der Dir fremd iſt, der Reſt Deines Lebens wird eine Kette von Unbehaglichkeiten für Dich, weil die Er⸗ innerungen an die Vergangenheit Dich unaufhörlich zur Unzufriedenheit reizen.“
„Du ſprichſt da wie ein echter Miſanthrop und biſt auf dem beſten Wege, mit der ganzen Welt in Krieg zu gerathen. Doch, Freund, ich hoffe, nur eine böſe Laune infolge der empfangenen Kränkungen läßt
2*


