182
an dem Grabe feſt, aus welcher dem Grafen das Be⸗ nehmen ſeines Oheims völlig klar wurde.
Als ſie beide, von gleichem Weh erfüllt, den Fried⸗ hof verließen, gingen ſie Arm in Arm dahin, kein feindliches Gefühl gegen einander wohnte in ihren Herzen.
Der Graf wandte ſich einem Gaſthofe zu und ver⸗ brachte hier die Nacht. Am nächſten Morgen beſuchte er nochmals das Grab ſeiner Anna und trat dann die Rückreiſe in die Heimat an.
Hier traf er auch den Oheim, der ſichtlich verändert und von Gewiſſensbiſſen gefoltert ſeine Verzeihung zu erlangen ſtrebte.
Ohne ihn eines Blickes zu würdigen, drehte ihm Julius den Rücken zu, laut ſprechend:„Mit dem Mörder eines jugendlichen Lebens und meines Glückes habe ich keine Gemeinſchaft!“
Alle Verſuche der Aeltern, eine Verſöhnung anzu⸗ bahnen, blieben erfolglos. Julius hielt ſich übrigens nur kurze Zeit im älterlichen Hauſe auf und wandte ſich dann wieder der Hauptſtadt zu.
Er iſt ein tücheiger Beamter geworden und fungirt noch jetzt als einer der erſten Staatsmänner. Aber ein Lächeln hat ſeine Lippen nie wieder umſpielt und keinem Mädchen iſt es gelungen, ſein Herz zu rühren.
———
—————


