22
ganz in der Nähe befunden, als Frau Liewe ihrem Zorn die Zügel ſchießen ließ, und ſomit war auch die fatale Scene von Niemand ſo recht eigentlich bemerkt worden; aber dennoch ſchien es dem jungen Mädchen, als blicke jeder Einzelne, an dem ſie vorbeipaſſiren mußte, ſie hohnlächelnd und ſpottend an. Mehrmals drohten die Füße ihr den Dienſt zu verſagen auf dem langen Wege bis zum älterlichen Hauſe; am liebſten hätte ſie unterwegs ſterben mögen, um Ruhe und Frie⸗ den zu erlangen, keinen harten Vorwurf mehr ertragen zu müſſen.
So endete das Rendezvous, dem der Graf mit hoch⸗ klopfendem Herzen und Anna zwar zagend, aber doch hoffend entgegengegangen war.
Sacco eilte vor die Stadt hinaus und irrte dort lange Zeit planlos umher. Er wußte ſelber nicht recht, wie ihm geſchehen war, ſein Denken und Empfinden hatte jene Klarheit verloren, die durchaus nöthig iſt, um das Thun des Menſchen im richtigen, geregelten Gleiſe zu erhalten. Endlich warf er ſich ermüdet auf den üppigen grünen Raſen einer Wieſe und blieb hier im Selbſtvergeſſen liegen, bis der reichlich herabfallende Abendthau ihm die Kleider vollſtändig durchnäßt und ein empfindlicher Froſt ſeine Glieder heftig zu ſchütteln begann. Wie unendlich viel hatte er in dieſer


