daß ich in der größten Sorge ſchwebe, wenn Du nicht pünktlich hier eintriffſt“, rief Frau Liewe der Tochter zu, als dieſe ſich anſchickte, wie gewöhnlich die Nähſtunde zu beſuchen.
Anna verſprach, den Wunſch der Mutter zu er⸗ füllen, vielleicht hegte ſie auch den beſten Willen, ihr Gebot zu befolgen; aber als der Abend nahte, dachte ſie daran, daß Julius auf ſie warten werde, und un⸗ möglich konnte ſie es über ſich gewinnen, ihn ver⸗ gebens auf ihr Erſcheinen harren zu laſſen. Sie machte ſich wohl eine halbe Stunde früher von der Arbeit los als die übrigen Damen, um Zeit zu erhalten, an ſeiner Seite im ſüßen Gekoſe den einſamen Pfad bis zur Neuſtadt zurückzulegen und dann doch zu Hauſe einzu⸗ treffen, bevor die Mutter ſie erwartete.
Sacco ſtand natürlich ſchon auf der Lauer; er hatte ja ſo unendlich viel mit ihr zu bereden und ihr zu erzählen, wie er den Baron beſtraft, daß dieſer ſeinen Abſchied gefordert habe und ſie ſeinen Nachſtellungen nun für immer enthoben ſei. Dabei vergaß er jedoch zu erwähnen, welch erbärmlicher Beweggrund den Lieu⸗ tenant zu ſeinem letzten Unternehmen geführt hatte.
Anna fühlte in der Nähe des Geliebten all ihr Bangen ſchwinden; er, der es ſo vortrefflich verſtand, den ränkevollen Baron zu bezwingen, mußte nach ihrer


