175
„Herr, ich bin ein ehrlicher Mann.“
„Davon will ich mich erſt überzeugen! Haben Sie ſo lange ausgehalten, ſo können Sie auch noch in Ihrer Stellung verbleiben, bis ich den Beſitzer des Gartens herbeigeholt habe, dann wird es ſich zeigen, um was es ſich handelt.“
„Hören Sie, Mann, ich bezahle Ihren Dienſt mit Gold. So hören Sie doch, ich bin—“
Der Fremde gab keine Antwort, ſondern entfernte ſich ſchnell. Er hatte einen großen Umweg bis zur Liewe'ſchen Wohnung zu machen, da links und rechts eine Menge Gärten lagen.
Der Gärtner ſaß neben ſeiner Frau und Tochter und ließ ſich aus einem Buche vorleſen, als der Schmied Wagner haſtig bei ihm eintrat und nach kurzem Gruß rief:„Denken Sie, Liewe, da hängt ein Menſch außer⸗ halb der Mauer Ihres Gartens und ſchreit um Hülfe; er hat ſich, wie es ſcheint, in einem Eiſen gefangen, das auf der Mauer feſtgemacht iſt. Sie haben eine tolle Manier, die Gartendiebe zu belauern.“
Anna war einer Ohnmacht nahe; ſie begriff ſofort, welche Bewandtniß es mit dem als Gartendieb Ver⸗
dächtigten hatte. Sie zitterte vor den nächſten Erör⸗
terungen; auch fühlte ſie Mitleid für den Baron, ſo ſehr er ſie immerhin gekränkt haben mochte.


