Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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begehrt. o, Du mein Held, ahnſt Du, was ich kaum zu ſtammeln wage? Du verſtehſt mich, Deine erblaſſende Wange bekennt es. Waffne daher die ſtarken Arme der Ge⸗ noſſen, die mit Dir gekommen. Hinauf, hinan zum Kloſter, Qual und Strafe den Nonnen, Pein und Schmach dem Grafen! wir fahen ſeinen Sohn, führen ihn hinweg als Geißel, und keinen Frieden gibt's, den nicht der entlarvte Wollüſtling uns zu Lieb und Gunſten bewilligte!

Das Paar, gleich geſtimmt in Haß und Liebe, um⸗ armte ſich zum neuen, eng verſchlungenen Bunde. Landſäß führte indeſſen den Wildherrn herbei, beſchwor ihn, die Rechte der ſchönen Frau mit Kraſt und Muth zu unterſtützen.Potz rother Blunder! das thu' ich gerne, rief der Raubgeſelle, und ſtrich behaglich den grauen Bart:will ich doch ſelber heut zur Mitternacht in's Kloſter auf die Freite gehen. Mich kümmert nicht, was Ihr dort ſchafft, ich faſſe nicht, was Ihr begehrt, frage nicht nach Euerm Thun. Helft mir nur zu meinem Werben um die ſchöne Nonne Cäcilia, die als mein Weib ich wegzuführen denke, und zählt alsdann auf meinen Beiſtand. Mit wildem Gelächter antwortete Richardis:Es ſey, alter fürchterlicher Mann. Cäcilia in den Armen eines Räubers. mehr als zehnfacher Tod iſt ſolche Schmach! o halte, trage mich, mein liebſter Knab, mir ſchwindelt vor der Seligkeit der nächſten Mitternacht!