Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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glücklichen, dem der Abend nicht einen Funken am Augen⸗ lichte zulegt! Da ſtieß ihn Poppele unſanft an, ſa⸗ gend:Was heulſt Du? Dein Leben geht zur Neige, und Du ſtirbſt ab wie ein Baum, weil Du alt biſt. Willſt Du denn ewig leben? Freue Dich, daß mein Auge für Dich ſieht, und danke Gott, daß nicht auch Dein Ohr ſchweigend wurde.Sey nur ruhig, wie ich ſtille bin, mein Knab. Dunkelt es ſchon mächtig? Ich ſehe kaum mehr den Pfad zu meinen Füßen.Die Sonne iſt fort, ſchwarze Wol⸗ ken hat ſie zurückgelaſſen; vor uns liegt ein weites Land ach, ſo weit wie groß iſt die Welt, und wie werde ich des Grafen Schloß finden?

Von ferne brauste es wie Glockenklang. Der Alte ſtand plötzlich ſtill, hob den Zeigefinger, horchte in die Luft hinaus, und fragte:Glocken? oder heult der Wind? Indeſſen trug ein Luftſtoß das Geläute näher heran, und der Greis fuhr fort:Das ſind Kirchenglocken, das iſt ein groß Geläute, eine Stadt muß in der Nähe ſeyn. Eine Stadt? fragte Poppele ungeſtüm entgegen, und zerrte den Greis haſtig weiter:Wo iſt die Stadt? Wir ſind noch hinter Bäumen ſpute Dich, Alter wenn wir um die Ecke gehen.. Hier verſtummte er plötzlich, nach⸗ dem er zuvor einen lauten Schrei der Verwunderung aus⸗ geſtoßen. Der Greis klammerte ſich feſt an ſeinen Arm, und fragte zitternd:Was iſt? Was ſiehſt Du da? Worauf Poppele abgeriſſen und überſprudelnd erwiederte: Ei, wie ſchönſo etwas ſah ich nie viele, viele Thürme lange, lange MauernGiebeldächer ohne Zahlund am Fuß der Mauern läuft es ſchwarz voll Menſchen, und hoch über ihnen, auf einem blauen Berge, liegt ein Schloß, mit goldenen Zinnen, und einer Fahne, die vom Thurme flattert, ſchwarz, roth, gelb Da jauchzte ſchier der Greis in ſeliger Entzückung, indem er