Teil eines Werkes 
41. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1840)
Entstehung
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Zweites Kapitel.

O nicht den Koͤnigen, mein Sohn, gib den Koͤnigen nicht Wein zu trinken, noch dem Fuͤrſten ſtark Getraͤnk. Sie moͤchten trinken, und des Rechts ver⸗ geſſen, und verändern die Sachen ir⸗ gend der elenden Leute. Gebt ſtark Getraͤnke denen, die umkommen ſollen, und den Wein den betruͤbten Seelen, daß ſie trinken und ihres Elends ver⸗ geſſen, und ihres Ungluͤcks nicht mehr gedenken. Spruͤche Salomonis.

Wenn es Dir gefallig iſt, ſo raſten wir hier ein Weil⸗ chen, ſagte der Greis zu dem Jüngling, der ihn vorſich⸗ tig führte, damit er nicht vom Wege abkäme.Meinet⸗ halben, antwortete der Knab, indem er ſich den Schweiß von der Stirne wiſchte,da iſt ein Raſenhügel, wie kaum ein ſchönerer auf unſerem Freithof. Setze Dich, alter Heide, ich will aufrecht bleiben, denn mir iſt ſo heiß, und meine Glieder zucken dergeſtalt, daß ich den Habicht beneide, der mit ſeinen Flügeln über unſerm Haupte die Luft peitſcht. Ach⸗ wer Flügel hätte! Sie hätten mich nicht gegeißelt, ſie bätten mein Mütterlein nicht gefangen, und ſchon lange ſäße ich auf des Würtembergers Tiſche, wie in einem Neſte, und ſpräche zu ihm:Löſe, die da gefangen iſt, wenn Du