Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

180

Geräuſch? die Pforte geht auf. Fackelſchein? was wol⸗ len die Schweſtern?

Wirklich quoll der ganze Convent mit Windlichtern durch die Pforte: hinter ihm die Mühlknechte mit Stangen und Stricken.Eine feine Mette! rief Richardis mit boshafter Freude, da ſie eiligſt den Ueberraſchten näher kam:eine feine Todtenvigil! ſchreit Zeter, ihr Schweſtern, über die Abſcheuliche, die mit einem elenden Narren die Kirche ſchändet, und ihr Buhlſtündlein hält! Zeter über die ſchändliche Hailwig, die ſolcher Buhlſchaft Vertraute ſeyn mag! Die Nonnen heulten ein fürchterliches Wehe⸗ Hailwig, jetzo erſt den ſorglos gaffenden Poppele gewah⸗ rend, ſtieß einen lauten Schrei aus. Giſela bot kühn der Verläumderin die Stirne, aber auf einen Wink der Prio⸗ rin war ſie von den raſenden Schweſtern Renata und Medora gepackt, mit Stricken gebunden, hinweggeſtoßen. Hailwig ſchmachtete unter Benevictens rohen gänſten. Pop⸗ pele wurde von den Knechten zu Boden geworfen. Uner⸗ hörter Tumult erfüllte die Kirche. Unter Schmähungen der niedrigſten Art ſchleuderten die Unmenſchen Agneſens und Heinrikens Körper in die eingeſunknen Gräber des Kirch⸗ hofs, und das Geſchrei des armen Poppele, der ſich unter den Reitſchenhieben ſeiner Peiniger wand, begrüßte die Morgenröthe.