Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
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fährtinnen zu Gott gebetet, wie im Kampfe wir gerungen! wir halten's aber nicht aus, hochwürdiger Pater. Des Aergerniſſes, Mangels und Kummers wird uns zu viel, und billig möchten wir dies von Gott verlaſſene Haus mit einer Otternhöhle vergleichen, wenn uns die chrißtliche Liebe ſolches nicht verböte.Und wahr iſt's, was die Mut⸗ ter Beate ſpricht, nahm Placida das Wort,jeder Tag bringt uns neue Qualen, jede Nacht der Angſt und Schrecken faſt viel. Die böſen Schweſtern peinigen uns, wie die ar⸗ men Seelen im hölliſchen Pfuhl gemartert werden. Wi⸗ derſpenſtig und verſtockt ſpotten ſie unſerer Lehren, weigern ſie Arbeit und Gehorſam, verſäumen ſie den Chor und Gottesdienſt; ihre Zungen ſchlagen uns mit Verläumdung und Hohn, ihre Augen drohen uns wie Baſilisten, und ſie würden uns mit ihren Zähnen und Nägeln zerfleiſchen, wenn ſie nicht hofften, daß der Hunger uns bald aufreiben werde. Ja, Pater Benno, kaum erhalten wir das tägliche trockene Brod, unſern fierblichen Leib nothdürftig zu ernäh⸗ ren; wir, die des Ueberfluſſes gewöhnt ſind, die bisher ſon⸗ der Mangel und Tribulation dem Herrn dienten in ge⸗ laſſener Seelenruhe. Wehe uns, wenn eine Klage unſerm Mund entſchlüpft. Schimpfreden ſind unſere Antwort, Spottreden begegnen unſerer Ermahnung. Ich verſtehe viel zu ertragen, ohne den Mund aufzuthun, aber folche Mißhandlung überſteigt meine Kräfte und Sanftmuth. Als Placida mit einem ſchweren Seufzer ſchwieg, ſagte der Karthäuſermönch ſtrenge:Wenn auch Euer Stand ſchwie⸗ rig und peinlich wäre, ſeyd Ihr denn zur Welt gekom⸗ men, um nur Honig zu koſten und auf Roſen zu liegen? Kampf und Streit iſt das Loos aller Menſchen, ſo irgend etwas zu Gottes Ehre gefördert werden ſoll. Darum ha⸗ ben Euere Vorgeſetzten Euch nicht hieher gethan, gleich als in ein Paradies, ſondern daß Ihr im. Schweiße Eueres