Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
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Zweites Kapitel.

Erndten thun ſie, wo nicht ſä'ten

Obſt und Brod und Honigſeim

Trägt der faule Praſſer heim

Die Raupen ſollen ihrer Frucht geleben⸗

Arbeit der Leut' iſt den Heuſchrecken geben. Altes Lied⸗

Einer Zwergin eher zu vergleichen, als einem ausge⸗ wachſenen Weibsbilde, erſchien Mutter Simplicia, von der Laienſchweſter eingelaſſen, in der Kapitelſtube. Unter dem einen Arme ſchleppte ſie ein ungeheures Bündel Flachs, un⸗ ter dem andern mehrere Stücke werchenes Zeug von ver⸗ ſchiedener Gattung; über der Schulter ſchleifte ſie ein veil⸗ chenfarbiges Altartuch, auf dem Rücken trug ſie einen klei⸗ nen Korb mit allerlei Hausgeräth von Eiſen, Kupfer und Meſſing. Eine vollgeſtopfte Ledertaſche hing an ihrem Gürtel, und auf ihrem Geſichte lag die höchſte Selbſtzufrie⸗ denheit, ein dummſtolzes Bewußtſeyn. Freudengeſchtei em⸗ pfing die rüſtige Terminirerin, die allmonatlich ausſlog, um die armen Albvörfer zu brandſchatzen, damit der an⸗ dächtige Convent nicht Mangel leide. Triumphirend wur⸗ den die abgedrungenen Almoſen ausgebreitet, und wohlge⸗ fällig beſchaut, was die zinsbaren Gemeinden um Gottes⸗ willen beigeſteuert hatten. Da waren Leuchter, Gabeln,