Teil eines Werkes 
40. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1840)
Entstehung
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eine ehrliche Magd das rauhe Lager, ſtrich Pfühl und Decken glatt, öffnete den Riegel an der Thür, ſpähte mit vorſichtigem Auge hinaus auf den öden Gang, horchte in das Haus, wo noch kein Schritt ſich regte, und kniete, von Niemand belauſcht, vor dem Crucifix der Zelle nieder, ihr Morgengebet zu verrichten. Sodann that ſie das kleine, unter dem Dach gelegene Fenſter auf, die Kühlung des Morgens einzuathmen, und die Gegend umher zu beſchauen. Die Zelle lag im hintern Flügel des Kloſters mit der Aus⸗ ſicht nach den Bergen, und in den Kloſtergarten, der einen kleinen Keſſel bildete, rings von Mauern eingefangen, welche an mäßig ſteilen Hügeln hinliefen. Das matteſte Sonnengold, der Vorläufer regneriſcher Tage, beſtrahlte vieſe Abgeſchiedenheit. Die Wälder ſtanden ſchwarz auf den Höhen, falb ſchimmerten die Wieſen, und in den ver⸗ wilderten Gebüſchen des Gartens zwitſcherte nur ſelten eine Vogelſtimme. Aus der Tiefe der Gartenwildniß tönte nur einförmiges Plätſchern herauf, gleich dem Gemurmel eines Brünnleins, und etwas ferner klapperte im langſamen Takt die Mühle. Giſela war erfreut über dieſe Stille, und ſeufzte zum Himmel auf, daß ihm doch gefallen möge, ſie an ſolch beſchaulicher Stätte in des Erlöſers Brautgewand zu kleiden. Wie ſie mit gefalteten Händen ſich weiter aus dem Fenſterlein bengte, um noch mehreres von dem Garten zu überſchauen, den die vorſpringende Ecke des Ge⸗ bäudes zum Theil ihren Augen verbarg, vernahm ſie ein leichtes Geräuſch neben ſich, und Erescentia's Stimme, die ihr einen freundlichen Morgen wünſchte.Ihr habt gut geſchlafen? ſagte die Laienſchweſter lächelnd:Gott ſegne Euch die Ruhe. Wie findet Ihr unſere Einſamkeit? Nach der weiten Fahrt, die Ihr vollendet, muß Euch dieſes Thal wie ein Kerker erſcheinen.Nicht doch, würdige Schwe⸗ ſter, die alten Einſiedler bauten ſich ja auch nicht in Städten