Teil eines Werkes 
39. Band, Die Nonne von Gnadenzell : Sittengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1840)
Entstehung
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blieb alles ſtille, und in der Ferne ſchlurften ſchon die Holz⸗ ſohlen der Glöcknerin, die ſich in das Innere des Hauſes zurückbegab.Iſt es doch, als ob der Convent ausge⸗ ſtorben wäre, ſagte Jakob bedenklich, und der armen Gi⸗ ſela wurde bange um's Herz, als die Ruhe einer Gruft um ſie herrſchte, ſtatt der Flötentöne, die in dem Stift zu Lichtenthal zur gleichen Stunde ſtets ihr Ohr entzückten. Alſo ſchwand eine lange Friſt; endlich rauſchten wieder Schritte zur Seitenpforte herein in die Kirche, und eine Nonne, angethan im weißen Habit, den ſchwarzen Mantel weitfaltig nachſchleppend, erſchien, klirrend mit dem Schlüſ⸗ ſelbunde. Als wäre ſie erſtaunt, zu dieſer Zeit noch Leute in dem Gotteshauſe zu ſehen, betrachtete ſie die Fremdlinge mit ſcharfem Blicke, und ſagte dann, rauh wie ein Mann:

Hinaus, Ihr Leute, die Kirche wird geſchloſſen. In Got⸗

tes Namen, hebt Euch von hinnen. Giſela trat demüthig an die Kloſterfrau, küßte den Saum ihres Mantels, und ſagte, daß ſie komme, ein Brieflein an die hochwürdigſte Frau Mutter abzugeben.Was geht das mich an? hieß die Antwort:vor der Kloſterpforte iſt Euer Platz. Klopft an, und es wird Euch aufgethan werden. Die Schlüſſel⸗ bewahrerin zeigte nun mit ſo ausdrucksvoller Geberde nach der Thüre, daß die müden Gäſte alſogleich gehorchten, ohne weiter viel zu fragen. Die Pfortenflügel der Kirche fielen ſchnell hinter ihnen zu, aber das Kloſterthor öffnete ſich ih⸗ rem Klopfen lange nicht. Einmal kam zwar ein finſteres Geſicht an dem Gitterfenſterlein zum Vorſchein und fragte nach der Fremden Begehr. Dann hieß es, die Schweſter Pförtnerin werde gleich kommen, und das unfreundliche Ge⸗ ſicht verſchwand. Aber die Pförtnerin kam nicht, und Gi⸗ ſela ſaß verlaſſen wie zuvor mit ihrem Begleiter in dem Vorhäuslein, und vermochte nicht zu reimen, was ſich hier begab. Sie merkte wohl, daß das Kloſter nicht ausgeſtor⸗