zu bieten. Giſelas Beſitz ſchien ihm mit einem ganzen Vermögen nicht zu theuer erkauft, und er beſchloß, Alles daran zu ſetzen, um ſeine Leidenſchaft zu befriedigen, dem Klofter eine Nonne, den lockenden Verführern eine Beute zu entreißen. Er fragte ſich nicht, was er denn eigentlich wolle; ob er das holde Mägdlein zum Altar zu führen be⸗ gehre, ob er ſie in Unehre zu bringen gedenke. Vor den Feſſeln des Eheſtandes zitterte der lebensfrohe Geſell, und dennoch hielt er Giſela zu hoch, um ſie der Schmach zu weihen. Sie der Armuth ihrer väterlichen Hütie zu entzie⸗ hen, ſie vor des Harras räuberiſchen Klauen zu ſchützen, die Widerſpenſtige allein in irgend einem entlegenen Winkel der Erde zu verwahren, ſie zu hegen, zu pflegen und zu minnen in ungeſtörter Einſamkeit, war ſeiner Begierde un⸗ erläßliches Ziel. Das Uebrige würde ſich finden, dachte er.
Von der Wieſe, wo der egpptiſche Künſtler ſeine Gauk⸗ lerſtreiche trieb, ſchallte der dumpfe Lärm einer Trommel, der ſchnarrende Dudelſack. Die ganze Bevölkerung des Städtleins, die ſich auf rüſtigen Beinen bewegte, ſammt den fremden Gäſten, ſchaute dem Wundermanne zu; auch Heerdegen näherte ſich dem dichten Kreiſe, und ſtieß auf den Landſäß, der mit einem wohlgefälligen Bocksgeſicht heran⸗ ſchlenderte, und den Tafelnachbar freundlichſt begrüßte. „Potz hinkende Gans!“ rief er lachend:„Du kommſt zur guten Stunde, um mir Glück zu wünſchen. Ich habe mei⸗ nem Schatz das erſte Stücklein vorgepfiffen. Das kleine Städtlein iſt nicht mit Golde aufzuwiegen, denn ſchon fand ich eine gewandte Kupplerin, die bei meinem Lieb das erſte Wort anbrachte. Frau Irmel lügt wie ein Pfaffe, und alle Hoffnung iſt vorhanden, daß am nächſten Sonntag, da man die Vesperglocke läutet, auch mein Roſenſtündlein ſchlagen werde, in dem verſchwiegenen Walde zwiſchen hier und Eberſtein. Das Mägdlein wird ſich wundern, böſe


