Erſtes Kapitel.
Uns wollſt Du Gott bewahren rein,
Fuͤr dieſem argen Goſchlechte,
Und laß uns Dir befohlen ſeyn,
Daß ſich's in uns nicht flechte.
Der gottlos Hauf' umher ſich find't,
Wo dieſe loſen Leute ſind
In Deinem Volk erhaben. Luther⸗
Die Sonne kam allgemach hinter dem großen Stauffen⸗ berge hervor, und vergoldete den Thurm der Stiftskirche und die Häuſerſpitzen in der Badenſtadt. Die Frühglocken riefen zum Gottesdienſte, und auf den ſteilen Straßen, wie auf dem Platze vor der Kirche wurde es lebendig. Die Arbeiter, die an dem neuen Schloßbau des Markgrafen Chriſtoph ſchafften, wanderten in langen Reihen bergan; Jungfrauen und Mägde aus der untern Stadt trippelten geſchäftig mit Roſenkranz und Kerze nach dem Gotteshauſe; das übrige Volk, bunt zuſammengelaufen, gaffte theils nach der Seite, von wannen die Rathsherren kommen ſoll⸗ ten in ihren breiten ſchwarzen Mänteln, theils nach den weit geöffneten Pforten der Badhäuſer, welche die Kirche umgaben.
Es war der ſeſtliche Tag, da für den heurigen Sommer die Bäder von Baden eröffnet werden ſollten mit prieſter⸗
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