Teil eines Werkes 
53. Band, Der König von Zion : romantisches Gemälde aus dem sechszehten Jahrhundert : 3. Band (1840)
Entstehung
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Die Sonne ſtand hoch und bleich am Himmel, als Hermann von Mengersheim mit den biſchöflichen Räthen,

ſeinen Begleitern, an die Grenze des Königreichs geritten

kam. Ein Drompeter trug an ſeiner Seite ein weißes Fähnlein, hoch aufgepflanzt, und weit zu ſehen. Ein Läufer ans der Stadt, in rothem Rock mit blauen Aer⸗ meln, auf deren einem ein Reichsapfel mit zwei kreuz⸗ weis hindurchgeſtoßnen Schwertern geſtickt war, harrte der Geſandtſchaft, und hielt ihr einen offenen Geleits⸗ brief entgenen.Euerm Begehren, ihr Männer, iſt

willfahrt worden, ſagte er mit anfgeblaſener Scheinhei⸗ ligkeit:Zion iſt euch geöffnet, und drei Stunden ſind euch freigegeben, um euere Anfträge anzubringen, den Beſcheid zu vernehmen, und wieder in das Lager zurück zu reiten. Beliebt, mir nach dem goldnen Thore zu folgen.

Der Domherr von Büren, der ſich in dem Co⸗ mitat befand, und ſeine Zunge gern vornweg gehen ließ, rief den Laufer, den er fruͤher als Calefactor der Chor⸗ ſtube im alten Dom gekannt hatte, trotzig an:Je, Caspar Wynſchenek, welchen Aufzug führſt Du jetzo?2 Welch wunderlich Zeug redeſt Du? Gott ſoll mir in meiner letzten Stunde ungnädig ſeyn, wenn ich weiß, was Du mit Deinem goldenen Thore meinſt 2

Wynſchenek ſchüttelte mitleidig den Kopf und ant autwortete grob:Zur Heidenzeit war das Thor das Ju⸗ defelder genannt worden; doch ziemt heutzutage einer Pforte Zions der übelriechende Name nicht mehr. Merkt euch das, ihr Männer aus Edom.

Unverſchämter Geſell! brummte der Herr von Büren zornroth. Aber ein Wink des alten Ritters von Men⸗ gersheim legte ihm Schweigen auf. Die Reiter hatten das neugetaufte goldne Thor vor ſich; es ſtand offen, nur mit einem leichten Schlagbaum verwahrt, der langſam bei der Annaͤherung der Abgeſandten in die Höhe ging.