in's Angeſicht! Wehe, wehe über das fremde Geſindel! Es gehe ihm nicht wohl in unſerem Lande. Ihr habt's an uns verdient bis in's dritte Glied!“
An dieſe Schreier ſchloßen ſich die Dienſtleute, die niemals ihre gleichgültig trägen Dienſte genng belohnt wiſſen wollen.„Haben uns verkleinert im Geiſte des Herrn, daß er uns nicht nach zehn Jahren mehr ver⸗ machte, als er bereits vorher gethan; haben uns verkürzt an unſeren Gaben, Miethgeldern, Leidgewändern und Leichenkerzen; haben Alles vergraben und verzettelt, ſtatt ſich armer Knechte und Mägde zu erinnern! Und den⸗ noch war die Frau eine leibeigene Dirne, ſchlechter, als wir alle! der älteſte Sohn ein Schneiderbub und nicht viel beſſer als ein Baſtard; die Kinder alle erſt nach langer Zeit nothdürftig zu Ehren gebracht! Waren nicht geſchaffen für Brokat und Seide; trocken Brod wär' gut genng für ſie, und ſie klagen noch mit volgeſtohlnen Ta⸗ ſchen! Wehe! Unglück und Pein über ſie, daß es ihnen nimmer wohl gehe auf niederländiſchem Boden!“
Die Frommen in der Verwandten⸗Gemeinde machten zum Abſchiede große Kreuze vor Wittib und Waiſenz die Zänker ſpuckten vor ihnen aus; Kuetzte und Mägde zogen ihnen die Zunge. Der Spittelherr Adrian van Coshorn aber blieb noch zurück, einen langen Meßſtock in der Hand, den er, gleichſam als wäre er allein in der Stube, an Wände und Fenſterbrüſtung legte, rechnend, diftelnd, Schritte und Schuhe zählend, wie ein markt⸗ chreieriſcher Baumeiſter. Eine kalte Hand, die ſich auf die ſeinige legte, ſtörte ihn in ſeiner wichtigen Beſchäf⸗ tigung.„Was gibt's2“ fragte er mit dem Befremden des geſtörten Archimedes den blaſſen Jan Bockelſohn, der ſich mit erhabenem Zeigefinger vor ihn ſtellte, wie ein Verzückter redend:„Ihr nehmt hier nicht das Maß zu einer Stiftshütte, oder zu einem Tempel des Herrn!“ „Freilich nicht, aber zu einem Filialban für die alten


