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wer huͤtte das gedacht!“— Plötzlich ſiel der Wirthin des Anſprechers Mähr wieder in's Gedaͤchtniß, und ſie ſchrie:„Ach, mein Heiland! der arme junge Mann! Sein Vater iſt ja todt, iſt vorgeſtern geſtorben. Da kommt der junge Herr in ein Haus der Trauer, ſtatt in einen Frendenpalaſt!“
„Deſto beſſer für den Landſtreicher!“ knirſchte der ſilzige Straatener zwiſchen den Zähnen:„Der todte Va⸗ ter iſt dem Buben gewiß lieber, als der lebendige.“
„Wer weiß aber, wie es mit dem Reichthum des Alten ſteht?“ fragte Hazeubrvoker tückiſch.„Mir däucht, ich hätt' einmal etwas vernommen, das eben nicht beſtä⸗ tigt, was der Prahlhans ſagt.“
„Wer iſt die Mutter, he? aus welchem Geſchlechte? hat ſie Verwandte, und welche 2“ fragten andere Spieß⸗ bürger, über die Würfel hinausſchielend.— Da legte Straatener den Finger bedächtig an die Naſe und ver⸗ ſetzte:„Ja, ja, es iſt richtig, ich irre mich nicht. Der Bockel hat vor etlichen Jahren. ein gemeines Mädchen geheirathet das ihm ſchon einige Kinder geboren „„ich glanbe gar, eine leibeigene Dirne aus Denutſch⸗ jand
„Puh! aus Deutſchland je wiederholten die Spießbür⸗ ger mit geringſchätzigem Lächeln und Achſelzucken.
„Geert! ſchaff' mir ein Glas gewürztes Bier!“ ſeufzte der Patron des Hauſes,„vom ſtärkſten, hörſt Du? Mir wird ſo flan, rück' mir den Seſſel bei. Sag' unſerer Frau, daß ich ihrer bedarf.“
„Fran! Frau! der Meiſter wartet Euer!“
„Halt' die Schnute, Rohrdommel! ich komme gleich. — Wie ich Dir ſage, Natje,“— die Wirthin ſagte das hinter der verſchwiegenen Kellerthüre—„ich zittere noch am ganzen Leibe„„den hat mir die alte Meert ge⸗
zeigt, den und keinen andern.“— „Aber die Krone, Frau Kampens 7*


