222
Mehrere Kanonenſchüſſe erſchütterten die Grundfeſten des Gefängniſſes. Ein Hagel von Musketenkugeln ſchlug in das Gebaude. Eine kurze Stille— dann kam heran mit wildem Getöſe eine regelloſe Flucht von Fechtenden, die ſich in's Rathhaus warfen, und die Pforte deſſelben verrammelten. Dumpf brausten die Worte in das Ohr der Gefangenen:„Wir ſind verloren; wir müſſen uns bis auf den letzten Blutstropfen wehren, oder uns er⸗ geben!“
Mollenhecke war zurückgeſchlagen.„Der Himmel ver⸗ blende die Granſamen, daß ſie in ihrer Wuth nicht un⸗ ſer gedenken, ſonſt iſt es um uns geſchehen!“ murmelte Krechting dem Propheten zu, der fieberiſch ſchwankte zwi⸗ ſchen Hoffen und Zagen.
Ein donnernder Kanonenſchlag, und die Pforte des Hauſes ſtürzte in Splitter darnieder.„Wehe, wehe uns!“ ſchrieen die Verſchwornen und flüchteten ſich über die Treppen. Aber auf ihren Ferſen fluthete das blutbe⸗ gierige Volk nach; an ſeiner Spite Knipperdolling und Redecker, der alle junge und alte Wüſtlinge, die der Viel— weiberei hold ſeyn mochten, ins Treffen gebracht hatte. Während dieſer vornehme und geringe Pöbel ſchon auf den Treppen mehrere der Verfolgten niederhieb, erbrach der Troß der nach Mord kreiſchenden Weiber die Riegel des Kerkers, und lösten die Bande der Gefangenen, die ſich plötzlich wieder in den heitern Sonnenglanz des Ta⸗ ges verſetzt ſahen.— Sie begränzten den Propheten mit Laub und Blumen, ſie küßten ihm Hände und Füße und ſangen ihm„Hoſianna.“
Stolz blickte Jan Bockelſon auf den alten Duſent— ſchuer, der niedergeſchlagen dieſen Umſchwung des Schick⸗ ſals und ſeinen Sohn betrachtete, welcher ſchon wieder in den Händen der Trabanten des Schwertführers ſchmach⸗ tete.„Was ſagſt Du nun zu meiner Weiſſagung und


